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27.09.2012
Baby weiter auf Intensivstation
Schwere Misshandlung: Behörden unter Beschuss
Der Gesundheitszustand des schwer verletzten Babys ist unverändert. Es liegt weiter im LKH Graz. (© Markus Leodolter (APA))
Der Gesundheitszustand des schwer verletzten Babys ist unverändert. Laut Auskunft des Landeskrankenhauses in Graz "geht es dem Säugling den Umständen entsprechend gut". Bei dem Kind wurden multiple frische und alte Knochenbrüche, darunter Serienrippenbrüche, Hämatome und andere Verletzungen festgestellt.
Ermittlungen nur gegen die Eltern
Vorerst hat die Fürsorgebehörde auch mit keinen Konsequenzen zu rechnen. Ermittelt wird nur gegen die Eltern, nicht gegen die Behörde, wie Magdalena Wehofer, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, mitteilte. Anhaltspunkte, dass sich die Behörde irgendetwas strafrechtlich zuschulden kommen habe lassen, gebe es nicht. "Wenn das der Fall wäre, müsste man das überprüfen. Aber es gibt derzeit überhaupt keine Anhaltspunkte in diese Richtung." Zunächst werden Gutachten eingeholt. Wehofer: "Erfahrungsgemäß dauert das etwa vier bis sechs Wochen."
"Niemand wollte absichtlich etwas übersehen"
Der burgenländische Kinder- und Jugendanwalt Christian Reumann mahnte, nicht diejenigen zu Schuldigen zu machen, die mehr oder weniger in die Betreuung involviert waren. "Die, die das Kind verletzt haben, das sind die Schuldigen - wer auch immer das war", sagte er. Für die Betreuer der Familie gebe es keinen Grund, etwas absichtlich "übersehen zu wollen". "Die sind ja interessiert daran, gute Arbeit zu leisten, weil sie sonst Schwierigkeiten bekommen."
Je kleiner ein Kind ist, desto schwieriger sei es, gewisse Dinge zu sehen, sagte Reumann. "Wenn ein Kind noch nicht spricht, kann es nicht sagen, was ihm wehtut. Und wenn es noch nicht läuft, kann ich eine Verletzung, zum Beispiel einen Beinbruch, nicht sehen." Offensichtlich ist es möglich, "dass man Dinge übersehen kann", sagte er.
"Verletzungen waren nicht sichtbar"
Die Eltern des Mädchens, die 22-jährige Mutter und der 25-jährige Vater, erhielten mehrmals in der Woche Besuch von zwei Familienintensivbetreuerinnen, zudem gab es regelmäßig Kontakte mit einer Sozialarbeiterin der Jugendwohlfahrt Güssing. Die Verletzungen sind dabei niemandem aufgefallen. "Sie waren von außen nicht sichtbar. Erst am Röntgenbild im Krankenhaus haben sie sich gezeigt", betonte Elvira Waniek-Kain, die Leiterin der Sozialabteilung des Landes.
Es habe nie einen Hinweis auf Misshandlung gegeben. Die jungen Eltern wurden wegen des Verdachts auf Vernachlässigung betreut. Das Baby habe viel geschlafen, "was bei einem zwei Monate alten Säugling nicht außergewöhnlich ist", meinte Waniek-Kain. Und selbst wenn das Mädchen geweint habe, sei im Beisein der Betreuerinnen adäquat darauf reagiert worden.
Der Fall wird analysiert. "Wir werden daraus lernen, wenn es etwas zu lernen gibt", sagte die Leiterin der Sozialabteilung. "Egal wie eng man das Netz knüpft, es wird nie möglich sein, so etwas zu verhindern", meinte sie.
Große Betroffenheit in der Bevölkerung
Große Betroffenheit herrschte indes in dem kleinen Dorf, in dem die junge Familie seit Anfang März dieses Jahres wohnt. Bereits wenige Wochen nachdem das Paar zuzog, wandten sich die Dorfbewohner an den Ortsvorsteher. "Die Menschen haben mir erzählt, dass etwas nicht passt, dass die Frau mit ihrem damals zehn Monate alten Kind (dem Bruder des misshandelten Säuglings, Anm.) nicht rausgeht." Deshalb habe der Ortsvorsteher im Mai Bezirkshauptmannschaft und Bezirksgericht verständigt. Von beiden Seiten hieß es: Die Frau sei sehr kooperativ, sie werde betreut. Auch die Polizei sei oft vor dem Haus gestanden.
Vater und Mutter des Babys sitzen seit Bekanntwerden des Falls in Untersuchungshaft. Der mittlerweile 15 Monate alte Bruder des misshandelten Mädchens wurde fremduntergebracht.
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