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08.10.2012
Vergewaltigungsvorwurf
Prozess: Justizmitarbeiter hoffte auf "Sex-Abenteuer"
Der angeklagte Justizmitarbeiter im Schwurgerichtssaal am Landesgericht Linz (© RUBRA (APA))
Die Staatsanwaltschaft habe sich am Anfang mit der Causa schwergetan, räumte der Staatsanwalt ein. Der 52-jährige Sozialarbeiter sei unbescholten, er habe auch ehrenamtlich als Bewährungshelfer gearbeitet. Die Opfer hingegen seien vorbestraft gewesen. Er hält sie allerdings für sehr glaubwürdig, weil auch zahlreiche Beweise - etwa DNA-Kontaktspuren - vorhanden seien.
Der Angeklagte wurde mit den Aussagen einiger Opfer konfrontiert, er präsentierte aber in allen Fällen andere Versionen. Er leugnete strikt, den Frauen etwas angetan zu haben, und wies sehr häufig auf seiner Ansicht nach falsche Zeit- und Ortsschilderungen in den Angaben der Geschädigten hin. Auf die Frage, welches Motiv die Frauen sowie ein Mitarbeiter der Justizanstalt - er hatte den Fall der Revierinspektorin ins Rollen gebracht - haben könnten, ihn zu belasten, hatte er unterschiedliche Erklärungen. Letzterer habe ihn beispielsweise gebeten, sich beim Chef für eine Beförderung stark zu machen, und sei möglicherweise verärgert gewesen, weil der gewünschte Posten nicht eingerichtet worden sei.
Erstes Opfer nahm Beweisstücke mit
Das erste Opfer beispielsweise war mit dem Angeklagten essen und fuhr nachher mit ihm in die Justizanstalt, wo der 52-Jährige das Gästezimmer reserviert hatte. Sie sei mitgegangen, weil ihr der Mann eine Überraschung versprochen habe, sagte die Frau bei den Einvernehmen aus. Dann habe sie noch etwas getrunken und anschließend einen Filmriss gehabt.
Am nächsten Tag sei sie nackt im Bett neben dem Angeklagten gelegen. Im Badezimmer habe sie Pipetten und Filmdosen mit einer Flüssigkeit gefunden. Einen Behälter nahm die Frau mit. Weil sie den Verdacht gehabt habe, dass etwas passiert sei, ging sie ins Spital. Dort wurden K.o.-Tropfen in ihrem Blut und ihrem Harn sowie in der Filmdose gefunden.
Verdächtiger: Auf sexuelles Abenteuer gehofft
Der Angeklagte gab zu, auf ein sexuelles Abenteuer mit dem ersten Opfer gehofft zu haben. Die Frau habe sich aber ablehnend verhalten. Dann habe sie gesagt, sie sei müde, sich die Hose ausgezogen, ins Bett gelegt und geschlafen. Der Verteidiger wies darauf hin, dass die verwendete Substanz auch in der Suchtgiftszene bekannt sei. Der Staatsanwalt hingegen sieht K.o.-Tropfen wegen der schlechten Beweisbarkeit nicht als optimale Möglichkeit, eine Intrige zu spinnen. Er sprach von einer "perfiden" Vorgehensweise und davon, dass der Angeklagte seinen Drang nach jüngeren Frauen nicht habe zügeln können.
Kolleginnen belästigt
In die Anklage aufgenommen wurde die Aussage eines Justizmitarbeiters, wonach der Beschuldigte bei einer Weihnachtsfeier eine Revierinspektorin begrapscht haben soll, die mit starrem Blick neben ihm saß. Die Beamtin berichtete ebenfalls von einem Filmriss.
Der Staatsanwalt berichtet von Vorwürfen gegen den Angeklagten, dass er eine 17-jährige Kollegin belästigt haben soll, die Sache sei aber strafrechtlich nicht relevant. Sie schilderte, der Angeklagte habe sie immer wieder zum Whisky-Trinken zu sich nach Hause eingeladen. Er hingegen behauptete, auf ein Gespräch mit ihr alleine aus gewesen zu sein, um ihr wegen ihres angeblichen Alkoholkonsums ins Gewissen zu reden.
Er berichtete, sie habe gesagt, sie würde gerne in einem Bordell arbeiten, und er sei deshalb besorgt gewesen. Sie hingegen erinnerte sich, er habe ihr von einer Nachbarin erzählt, dass sie als Domina arbeite. "Du kannst das noch nicht machen, weil du erst 17 bist. Aber bald bist du 18", habe er gesagt. Zudem habe er ihr angeboten, sich um einen "älteren, reichen" Mann für sie umzusehen, weil sie so wenig verdiene.
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