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Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

28. Juli 1914 – 2014

In allen unseren Dörfern gibt es ein Kriegerdenkmal. Fast immer zwei lange Listen von Namen: die Gefallenen der beiden Weltkriege. Unglaublich, wie viele junge Männer in jedem Ort verzeichnet sind! Was für ein sinnloses Morden! Oft haben diese Gedenkstätten einen recht kriegerischen Anstrich.

Von Helden ist da die Rede und vom Heldentod für die Heimat, vom Sterben für das Vaterland. In jungen Jahren bin ich einer Witwe eines Generals des Ersten Weltkriegs begegnet. Ich werde nie vergessen, wie diese Frau nicht vom Heldentod der Soldaten sprach, sondern von den Ermordeten des Krieges. Kriege sind immer mörderisch. Manchmal muss zu den Waffen gegriffen werden, wenn es darum geht, die Menschen vor verbrecherischen Regimen zu schützen.

Der Erste Weltkrieg war durch nichts zu rechtfertigen. Er war ein nutzloses Blutvergießen, ein gegenseitiges Abschlachten von Millionen, die aufeinander gehetzt wurden. Wir österreichischen Bischöfe haben angeregt, am Sonntag, am Vorabend der Kriegserklärung, an möglichst vielen Kriegerdenkmälern Besinnungsstunden zu halten, der Opfer zu gedenken und für den Frieden in der Welt von heute zu beten. Stehen wir hundert Jahre später wieder vor einer Katastrophe, wie 1914?

An vielen Orten explodiert die Gewalt. In der Ukraine droht Krieg. In Syrien tobt er inzwischen seit Jahren. Im Irak wüten wilde Fundamentalisten und vertreiben die Christen aus ihrer alten Heimat. Zwischen Palästinensern und Israel ist die Gewaltspirale scheinbar unaufhaltsam. Ist der Frieden noch zu retten? Noch ist es nicht zu spät, wie damals 1914, als die ganze Welt in den Krieg schlitterte. Hier heißt es wirklich beten!

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