Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: 10.000 Kinder – welche Zukunft?

Wie sähe Österreich wohl aus, wenn plötzlich alle seine Bewohner gezwungen wären zu fliehen? Wenn Kinder und ihre Eltern das Land verlassen müssten, weil zu Hause Verfolgung, Folter und Tod drohten? Wie sähe unser Land wohl aus, wenn Krieg und Hungersnöte plötzlich ihre finsteren Schatten über Städte, Berge und Täler legen würden?


Ich will und kann es mir nicht vorstellen. Doch in diesem Moment, in dieser Stunde sind in und um Syrien in etwa so viele Menschen auf der Flucht wie Österreich Einwohner hat. Mehr als zwei Millionen von ihnen suchten bereits im Libanon, in Jordanien oder in der Türkei Zuflucht. Ihre Schicksale und die Gewissheit, dass jeder zweite dieser Flüchtlinge noch ein Kind ist, machen tief betroffen.

Diese Kinder sind schutzlos, ihrer Zukunft beraubt und meist ohne Hoffnung. Sie stranden in überfüllten Flüchtlingslagern, stecken barfuß bis zu den Knöcheln im Schnee und im Morast und leiden Hunger. Sie sind das tragische Gesicht, die ersten Opfer dieses blutigen Krieges. Die Caritas Österreich (www.caritas.at) hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit allen Österreichern 10.000 zusätzliche syrische Flüchtlingskinder sicher durch den Winter zu bringen.

Denn es mangelt am Nötigsten – an Decken, Matratzen, an Winterbekleidung, an Öfen und an Nahrung. Schon mit 15 € kann diesen Kindern eine warme Decke und ein bisschen Hoffnung geschenkt werden. Ich bin überzeugt: Nicht nur die Mächtigen dieser Welt, die dieser Tage in Genf über ein Ende des Krieges in Syrien beraten, sind gefordert. Wir alle sind aufgerufen, diesem unermesslichen Leid entgegenzutreten – mit Spenden und im stillen Gebet. Papst Franziskus erinnert uns daran: Es geht hier um Menschen, nicht um namenlose Statistik.

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