Alle Fakten zu:

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Arbeitslos - was nun?

Der 1. Mai, der "Tag der Arbeit", ist vorbei. Für all jene, die Arbeit haben, ein Grund zum Feiern. Weniger Grund zur Freude haben die rund 450.000 Menschen in unserem Land, die derzeit keine Arbeit haben. Eine erschreckend hohe Zahl!


Auch wenn wir damit im europäischen Vergleich noch immer ein "Musterland" (4,8 %) sind, ist diese Zahl für die Betroffenen und für uns alle höchst beunruhigend. Arbeitslosigkeit bedeutet spürbare Einbußen beim Einkommen und quälende Sorgen um die persönliche und familiäre Zukunft.

Die Folgen sind oft Depression, soziale Ausgrenzung und Überschuldung. Besonders betroffen sind Jugendliche, Menschen mit niedriger beruflicher Qualifikation, Alleinerziehende und ältere Menschen. Sie sind am heutigen Arbeitsmarkt von vornherein oft chancenlos. Welche Hoffnungen bleiben für sie?

"Wenn die Arbeit fehlt, dann wird die Würde verletzt", sagte vor Kurzem Papst Franziskus bei einem Fabriksbesuch. Der Arbeitslose kann seinen Lebensunterhalt nicht verdienen und seine Familie nicht ernähren. Umgekehrt zeigt sich in Ländern wie Spanien und Italien, wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist, dass die Familie oft das letzte Auffangnetz für den Einzelnen ist.

Wenn in den südlichen europäischen Ländern über 50 Prozent der Jugendlichen ohne Arbeit sind, ist auch die Zukunft eines ganzen Landes oder sogar Europas bedroht. Heute gilt es allen zu danken, die Arbeitsplätze schaffen und sichern und die den Mut haben, auf diese Weise in die Zukunft zu investieren. Eines aber können wir alle tun: Jenen, die arbeitslos sind, unsere Solidarität zeigen. Auch das ist eine Form, Gott dafür zu danken, wenn wir selber.

Ihre Meinung