Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Fasten – wozu?

Mit dem Aschermittwoch begann wieder die vierzigtägige Fastenzeit. Wie jedes Jahr ein Anfang mit vielen guten Vorsätzen. Früher galten strenge Fastenregeln, vor allem der Verzicht auf Fleisch. Heute muss sich jeder selber seine Fastenregeln aussuchen.


Das macht es nicht leichter. Dennoch ist Fasten heute "in". Eine ganze "Fasten-Industrie" lockt mit ständig neuen Produkten und Angeboten, vom teuren Luxusfasten im Wellness-Hotel bis zu Fasten-Einkehrtagen in Klöstern. Papst Franziskus hat eine neue Note in das Fastenthema gebracht, als er Anfang September 2013 weltweit zum Fasten und Beten für den Frieden in Syrien aufrief. Auch viele Muslime sind seinem Aufruf gefolgt.

Es fehlen nicht die Anlässe, dieses Fasten zu üben, etwa die Sorge um den Frieden in der Ukraine, auf der Krim. Der Papst erinnert immer wieder an eine besonders notwendige Form des Fastens: "…auch das Geschwätz kann töten, weil es den guten Ruf des Menschen tötet! Das Schwätzen ist so hässlich! Am Anfang mag es einem als angenehm und auch unterhaltsam erscheinen, als lutsche man eine Karamelle. Am Ende erfüllt es unser Herz mit Bitterkeit und vergiftet auch uns."

Fasten ist kein Selbstzweck. Es soll uns frei machen von Überflüssigem und Schädlichem. Aber frei werden wofür? Für den Nächsten und Gott! Weniger Fernsehen und Internet, dafür mehr Zeit für die anderen. Weniger essen, mehr beten. Weniger Tratsch und mehr Zuwendung. Neu hungrig werden nach Gott. Dazu ist die Fastenzeit da! Viel Freude an einem solchen Fasten!

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