Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Gottvertrauen

Ohne Vertrauen ist kein Leben möglich. Kinder brauchen das Urvertrauen, dass sie gewollt und geliebt sind. Jede Partnerschaft, jede Ehe, lebt vom gegenseitigen Vertrauen. Eine Geschäftsbeziehung geht man
nur ein, wenn Vertrauen da ist. Niemand nimmt einen Handwerker, von dem er weiß, dass er schlecht arbeitet und auch noch betrügt. Vertrauen ist der Kitt, der die Ehe, die Beziehungen, das öffentliche Leben zusammenhält.

Deshalb ist Vertrauensverlust die schlimmste Krise. Wo das Vertrauen schwindet, geht gleichzeitig so viel anderes verloren: der Frieden, die Eintracht, die Hoffnung und der Mut für die Zukunft. Vertrauen kann verloren gehen, es kann aber auch leichtfertig aufs Spiel gesetzt oder gar mutwillig zerstört werden. Vertrauen, das einmal verletzt wurde oder verloren ging, wiederzugewinnen, ist eine der schwersten Aufgaben.

Die Bibel warnt uns davor, unser ganzes Vertrauen nur auf Menschen zu setzen. Wir alle sind fehlbar. Wir enttäuschen andere und werden von anderen enttäuscht. Ein Leben lang lernen wir, das rechte Maß zwischen Vorsicht und Vertrauen zu finden, ohne Misstrauen, aber auch ohne leichtsinniges Zutrauen unseren Weg zu gehen.

Der am vergangenen Sonntag geweihte Bischof von Vorarlberg, Benno Elbs, hat sich als Motto für seinen Bischofsdienst ein Wort aus den Psalmen der Bibel gewählt, das wohl auch für viele andere passen kann: "Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertrau ihm. Er wird es machen!"

Unser Gottvertrauen kann nie groß genug sein, gerade wenn das menschliche Vertrauen verletzt wurde. Leicht ist das, weiß Gott, nicht immer. Aber heilend und hilfreich ist es allemal.

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