Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Heiligsprechung - wozu?

Am Sonntag werden in Rom von Papst Franziskus zwei seiner Vorgänger heiliggesprochen. Man erwartet einen gewaltigen Zustrom an Pilgern aus aller Welt, die vor Ort dabei sein wollen. Viele Fernsehstationen übertragen das Ereignis live.


In den IMAX-Kinos kann man gratis am Petersplatz dabei sein. Was aber bedeutet "Heiligsprechung"? Werden da normale, sterbliche Menschen zu Halbgöttern erhoben? Manche meinen ja, wir Katholiken würden die Heiligen "anbeten", als wären sie Gott. Zur Heiligsprechung gehören normalerweise drei Dinge.

Zuerst: Es muss "den Ruf der Heiligkeit" geben. Mutter Teresa von Kalkutta galt schon zu Lebzeiten als eine Frau, die diesen Ruf hatte. Der gute Papst Johannes XXIII. wurde von vielen Menschen als besonders glaubwürdiger Christ verehrt. Als Papst Johannes Paul II. 2005 starb, riefen viele Menschen: "Santo subito!" An seinem Grab war ein ununterbrochener Strom an Betern. Ein Zweites muss folgen: ein "Heiligsprechungsprozess".

Gründlich werden Zeugen befragt, Schriften studiert, das Leben genau angesehen: Gibt es nichts, was mit einem heiligmäßigen Leben unvereinbar wäre? Auch Heilige haben Fehler, bleiben Menschen mit Sünden. Aber sie sind nicht dabei stehen geblieben. Sie haben ihr Christsein wirklich und glaubwürdig gelebt. Und drittens braucht es "die Unterschrift des Himmels", das heißt ein klares Zeichen Gottes, ein Wunder, das auf die Fürsprache des "Kandidaten" für die Heiligsprechung geschehen ist.

Es muss ein überzeugendes Wunder sein. Da alle drei Bedingungen von beiden Päpsten eindrucksvoll erfüllt wurden, bekommen wir am Sonntag zwei neue Heilige, zwei gute Freunde im Himmel.

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