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Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Pfingsten und der Song Contest

Morgen ist es also so weit. Das Finale des Song Contest. Und übermorgen ist Pfingsten. Weltweite Begeisterung für die 60. Auflage des Song Contest. Um Begeisterung geht es auch zu Pfingsten: Es ist das Fest des Heiligen Geistes.


Ich finde es spannend, dass diese beiden Ereignisse so nahe beieinander sind. Haben sie etwas miteinander zu tun? Ich glaube schon. Was begeistert am Song Contest? Sicher, es ist eine Riesenshow, viel Glanz und Glamour, und auch viel Geschäft. Aber es ist mehr. Alle Völker Europas sind vertreten, mit ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart, ihren Kriegen und Leiden, ihren Konflikten und Nöten.

Aber jetzt in einer friedlichen Konkurrenz. Statt Waffenlärm ein Wettbewerb des Gesangs, der Musik. Und wie berührend sind viele der Texte, die hier gesungen werden! Sehnsucht nach Frieden, Klage über Kinderleid, Hoffnung auf ein Ende all der Kriege, und immer wieder das Urthema, die Liebe. Schade nur, dass die wirklich berührenden behinderten Finnen gleich ausgeschieden wurden.

Leider ein Zeichen, dass ganz andere noch immer wenig Toleranz erleben… Und übermorgen Pfingsten. Die Begeisterung durch den Heiligen Geist. Weniger laut, nicht so schrill. Aber nachhaltig. Auch damals, am ersten Pfingstfest in Jerusalem, 50 Tage nach Jesu Auferstehung: Menschen aus allen Ländern, verschiedenste Sprachen. Geburtsstunde der Kirche.

Und wie die Musik die Sprache ist, die alle verstehen, so spricht die Sprache des Heiligen Geistes alle Menschen an: die Sprache der Liebe. Wenn die Begeisterung für den Song Contest vorbei ist, soll Gottes Geist noch lange weiterwirken, denn "die Liebe hört niemals auf".

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