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Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Vandalismus aus Hass?

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, diese Zeilen am 4.4.2014 lesen, bin ich bereits auf hoher See. Zusammen mit 500 Wallfahrern aus unserer Diözese begeben wir uns per Schiff auf den Spuren des Apostels Paulus Richtung Griechenland und der Türkei.


Ich habe diese Pilgerreise mit besonderer Freude angetreten, aber gleichzeitig auch mit großer Sorge. Denn ich bin noch immer tief erschüttert von dem jüngsten Vandalenakt, der insgesamt sechs unserer Kirchen in den letzten Tagen heimgesucht hat. Die blindwütige Zerstörung von Heiligenstatuen, Kruzifixen und Holzfiguren ist Gott sei Dank bei uns die Ausnahme und wird es hoffentlich auch bleiben.

Nach der Verhaftung eines verdächtigen Täters spricht vieles dafür, dass es sich um einen tragischen Einzelfall handelt. Die berechtigte Betroffenheit, die diese Ereignisse ausgelöst haben, darf aber nicht dazu führen, Ängste und Vorurteile zu schüren. Müssen wir jetzt unsere Kirchen zusperren und verschlossen halten? Nein! Versperrte Kirchen sind das falsche Signal. Es wäre ein Zeichen der Ängstlichkeit.

Eine offene Kirche ist eine "Tankstelle für die Seele". Viele sollen die Möglichkeit haben, hier Kraft und Hilfe zu "tanken". Daher meine Ermutigung: Kommen Sie in die Kirche, auch außerhalb der Gottesdienste, vielleicht für ein paar Minuten Stille oder Gebet. Auch wenn diese Zerstörungen besonders für die betroffenen Pfarren sehr schmerzlich sind, dürfen wir nicht vergessen: Die Zerstörung von Menschen durch Krieg und Gewalt ist unvergleichlich viel ärger! Sie geschieht tagtäglich in vielen Ländern der Erde vor unseren Augen. Sie ist der schlimmere Vandalismus.

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