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Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Was wird morgen gefeiert?

Morgen ist Maria Himmelfahrt. In unserem Land dankenswerterweise auch ein staatlicher Feiertag. Ein langes freies Wochenende! Warum eigentlich! Was wird da gefeiert? Spielt es eine Rolle im Leben unseres Landes?


Es ist eines der beliebtesten Marienfeste. Und für viele Menschen in Österreich ist Maria eine besondere Brücke zum Himmel. Viele Wallfahrten gehen zu ihren Heiligtümern. Vor vielen Marienstatuen und -Bildern brennen Kerzen als Zeichen des Vertrauens auf eine Fürbitte Marias.

Aber was wird morgen gefeiert? Zuerst einmal das Ende eines Lebensweges. Maria ist, wie jeder andere Mensch auch, einmal an die Schwelle des Todes gelangt. Einmal ist auch sie "heimgegangen", "entschlafen", aus diesem Leben geschieden. Wir gebrauchen gerne solche bildlichen Ausdrücke, um den Tod zu benennen. Tun wir das aus Angst, dem Tod ins Angesicht zu schauen? Machen wir fromme Umschreibungen, um der Härte des Todes auszuweichen?

Seit uralten Zeiten spricht die Kirche nicht vom Tod Mariens, sondern von ihrer "Entschlafung". Im Volksmund wurde daraus die "Himmelfahrt" der Muttergottes. Maria ist nicht einfach tot gewesen, sondern "hinübergegangen" ins ewige Leben. Und das nicht nur mit ihrer Seele, sondern mit Leib und Seele, als ganzer Mensch. Ich sage lieber, jemand sei "heimgegangen", als er sei gestorben.

Nicht nur für Maria war das Sterben ein "Entschlafen" und "Hinübergehen", sondern für uns alle. Der einzige Unterschied: Maria ist sozusagen schon ganz "daheim" im Himmel, mit Leib und Seele. Wir sind noch auf dem Weg dorthin. Maria Himmelfahrt ist für mich das Fest der Hoffnung: über Sterben und Tod hinaus werden wir einmal ganz heimkehren dürfen.

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