Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Benedikt – Patron Europas

Heute ist der Tag des heiligen Benedikt. Am 11. Juli ist sein Fest. Er ist der Gründer des weltweiten Ordens der Benediktiner. Berühmte Klöster unseres an Klöstern reichen Landes ("Klösterreich") gehören diesem Orden an, zum Beispiel Melk und Göttweig, Kremsmünster und St. Peter in Salzburg, samt dem Nonnberg, dem ältesten Frauenkloster nördlich der Alpen!

Benedikt gilt als der Begründer des abendländischen Mönchtums. Da die Klöster über Jahrhunderte besondere Kulturträger waren, wird Benedikt als "Vater Europas" bezeichnet. Viele sehen in ihm den oder einen "Schutzpatron Europas". Europa kann einen solchen wirklich brauchen! Benedikt hat uns im heutigen Europa viel zu sagen. Er lebte in der Zeit der beginnenden Völkerwanderung, geboren etwa 480, gestorben 547 in dem von ihm begründeten Kloster Monte Cassino.

Auch heute erlebt Europa eine Art Völkerwanderung. Aus Afrika und Asien drängen immer mehr Menschen in das wohlhabende und sichere Europa. Wir können davor nicht länger die Augen verschließen. Benedikt war damals einer der Väter einer neuen Gestalt Europas. Haben wir vergessen, dass das heutige Europa aus dem damaligen Umbruch entstand? Die Lombarden und Franken, die Goten und die Bajuwaren, die Normannen und die Slawen – sie alle haben auf dem Erbe des alten Roms das neue Europa gebildet.

Wie wird das Europa von morgen aussehen, nach der heutigen Völkerwanderung? Benedikt hat Europa durch seine Regel geprägt. Sie war durch die Jahrhunderte die Lebensregel der Mönche und Nonnen. Heute verwenden Manager diese Regel für ihre Schulungen, so viel Lebenserfahrung steckt darin. Berühmt ist der Kernsatz „Ora et labora“: „Bete und arbeite“. Gebet und Arbeit, und beides im rechten Verhältnis und in der richtigen Rangordnung, das ist die Weisheit, die Europa heute braucht, gerade in dieser Umbruchszeit. Heiliger Benedikt, hilf uns dabei!

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