Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Bogotá - Barmherzigkeit!

Am Freitag kommt meine wöchentliche Kolumne aus Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens, die mehr Einwohner hat als ganz Österreich, etwa zehn Millionen.


Wer vom Monserrate, dem auf 3.100 Metern gelegenen Wallfahrtsort, auf die in 2.600 Metern Meereshöhe gelegene Stadt blickt, dem bietet sich ein überwältigender Anblick. Das Wort "Häusermeer" trifft hier wirklich zu. Und die Stadt wächst unaufhaltsam weiter. Landflucht ist der Hauptgrund dieses Wachstums. Und die Menschen flüchten in die Stadt, weil am Land seit über 50 Jahren ein schier endloser Guerilla-Krieg herrscht, der bereits über sechs Millionen Opfer gefordert hat.

Endlich haben Friedensverhandlungen begonnen. Aber der Weg zu einem dauerhaften Frieden ist noch weit. "Nur die Barmherzigkeit kann der Flut des Bösen eine Grenze setzen", sagte Papst Johannes Paul II. im Rückblick auf die Schrecken des 20. Jahrhunderts. Das Thema "Barmherzigkeit" ist auch der Grund meiner Reise nach Kolumbien. In Bogotá fand dieser Tage der "III. Weltkongress des Apostolats der Barmherzigkeit" statt. Unter diesem ungewöhnlichen Namen verbirgt sich eine weltweite Vernetzung von Initiativen der Versöhnung, der Heilung von Wunden der Gewalt und von seelischen Nöten.

Allen diesen oft wenig bekannten, meist im Stillen wirkenden Initiativen ist eines gemeinsam: die Überzeugung, dass "nur in der Barmherzigkeit Gottes die Welt den Frieden und der Mensch das Glück finden kann", wie die hl. Faustina Kowalska (1905–1938) schrieb. Gerade in einem leidgeprüften Land wie Kolumbien, waren die Zeugnisse gelebter Barmherzigkeit und Versöhnung besonders beeindruckend. "Jesus, ich vertraue auf dich!" - dieses kleine Gebet kann Wunder wirken. Davon wurde ich Zeuge in diesen Tagen in Bogotá.

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