Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Das Blut der koptischen Märtyrer

Kardinal Christoph Schönborn

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Unfassbar, was sich da abspielt! Ein Horrorvideo. Der Titel: "Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes." Und dann: die grausame Ermordung von 21 ägyptischen Gastarbeitern, die aufgrund ihrer Ausweise als koptische Christen erkennbar waren.

Weltweit herrscht Entsetzen. Ägypten hat Staatstrauer ausgerufen. Doch hinter diesem Horror steht ein Plan: der "Islamische Staat", das "Kalifat". Und es soll nicht nur im Nahen Osten, in Libyen, in Nigeria errichtet werden. Es soll Europa erreichen.

Die wirre Botschaft des Videos ist eine klare Ansage: "Wir befinden uns hier südlich von Rom, im Land des Islam, in Libyen (…) Das Meer, in dem ihr die Leiche von Scheich Usama bin Ladin versteckt habt (…), wir werden es mit eurem Blut mischen." Rom, Europa ist das Ziel. Wie soll das weitergehen? Was haben wir dem entgegenzuhalten?

Für mich sind die koptischen Christen ein großes Vorbild. In ihrer Heimat Ägypten stellen sie etwa zehn Prozent der 88 Millionen Einwohner. Etwa 6.000 koptische Christen leben bei uns in Wien. Ihr Zentrum ist die 2004 geweihte koptische Kathedrale in der Quadenstraße im 22. Bezirk. Sie sind bei uns gut integriert. Mit Freude erlebe ich immer wieder, wie lebendig ihre Gemeinden sind. Trotz Leid und Verfolgung stehen sie treu zu ihrem Glauben.

Sie sind eine echte Bereicherung für die Kirche in Wien und für unser Land. Erst im vergangenen November war ihr Oberhaupt, Papst Tawadros, zu Besuch in Wien. Ihm und der ganzen Koptischen Kirche habe ich die tiefe Solidarität der Kirche in Österreich zum Ausdruck gebracht.

Töten im Namen Gottes, das ist ein Verbrechen gegen Gott und die Menschen. Das Blut der koptischen Märtyrer möge ihre verblendeten Mörder zur Besinnung bringen und uns zu mehr Mut im christlichen Glauben.

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