Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Die Eidgenossen – unsere Nachbarn

Heute ist der Schweizer Nationalfeiertag. Am 1. August feiern die Eidgenossen ihr Gründungsfest. Im Jahre 1291 verbündeten sich die drei "Urkantone" Uri, Schwyz und Unterwalden mit dem "Rütlischwur" zur "Eidgenossenschaft". Andere Kantone schlossen sich im Laufe der Jahrhunderte an.

Daraus wurde die heutige Schweiz, unser Nachbarland, in vielem uns ähnlich und doch so anders. Ich habe sechzehn Jahre lang, von 1975 bis 1991, in der Schweiz gelebt und gearbeitet. Ich habe das Land und seine Menschen lieben gelernt. Oft denke ich an diese Zeit zurück, auch an so manchen 1. August, den ich dort erlebt habe. Was ist so anders an der Schweiz? Österreich war einmal ein großes Kaiserreich.

Die Schweiz, Ursprungsland der Habsburger, ist immer in ihren Grenzen geblieben. Auch heute, umgeben von EU-Ländern, hat sie ihre Eigenständigkeit, ihren Franken und ihre Neutralität bewahrt. Die Schweiz hat wohl das beste Bahnnetz der Welt, um das wir sie nur beneiden können. Uhren und Schokolade gehören zweifellos zu den unverwechselbaren Spezialitäten dieses Landes. Und auch das Rote Kreuz, das ein Schweizer, Henri Dunant, gegründet hat.

Die Schweiz ist sicher eines der demokratischsten Länder der Welt. Und ein Vorbild des Zusammenlebens von vier anerkannten Sprachen. Nur bei den Banken hat meine Liebe zur Schweiz ihre Grenzen. Denn diese horten zahllose Milliarden von zweifelhaftem Ursprung. Vielen Ländern ginge es besser, wenn das dringend benötigte Geld nicht von Diktatoren in Schweizer Banken versteckt worden wäre. Doch diesen Vorwurf hat nicht nur die Schweiz verdient.

Ihre Meinung