Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Die Ukraine geht auch uns an

Kardinal Christoph Schönborn

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Eben aus der Ukraine zurückgekehrt, drängt es mich, einige Eindrücke weiterzugeben. Anlass meiner Reise war ein Geburtstag. Genauer: ein Wiedergeburtstag.

Denn genau vor 25 Jahren, 1989, wurde die ukrainisch griechisch-katholische Kirche von Gorbatschow wieder zugelassen. Sie war unter Stalin 1946 grausam unterdrückt worden und konnte nur im Untergrund und unter schweren Verfolgungen überleben. Ich durfte zu dieser "Auferstehungsfeier" als Abgesandter von Papst Franziskus reisen. Heute ist diese Kirche eine der lebendigsten Wirklichkeiten in der freien, unabhängigen Ukraine. Ich durfte es mit Freude erleben.

Erschütternd war für mich der Besuch der Gedenkstätte für den millionenfachen Hungertod, den Stalin bewusst herbeigeführt hat. Bei uns kaum bekannt ist der sogenannte"Holodomor", der Hungertod von Millionen in den Jahren 1932 bis 1934, den Stalin künstlich verursacht hat, um die Bauern zu enteignen und die Ukraine zu schwächen. Dazu kamen im Zweiten Weltkrieg die Massenmorde durch Hitlers Schergen an Juden und Ukrainern.

Wirklich, dieses Land ist eine leidgeprüfte und blutgetränkte Erde. Heute will es ein freier, eigenständiger und demokratischer Staat sein. Wird das gelingen? Wird der Westen seine Hilfsversprechen halten? Wird Russland seine Aggressionspolitik (Besetzung der Krim und der Ostukraine) zurücknehmen?

Eines hat mich in allen Begegnungen beeindruckt: die Hoffnung der Menschen! Der feste Wille, sich nicht wieder knechten zu lassen. Und der tiefe Glaube, dass Gott sie nicht vergessen hat. Wir sollten sie nicht vergessen. Denn ihr Schicksal geht auch uns etwas an.

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