Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Drogenfalle für die Jugend?

Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn (© AP)

Ich glaubte nicht recht zu hören, als dieser Tage von Vertretern einer Parlamentspartei die Freigabe von Cannabis, von sogenannten "weichen Drogen", gefordert wurde.

Als vom Drogentod eines jungen Verwandten schmerzlich Betroffener kann ich mich nur wundern. Fast immer ist das "Kiffen", das angeblich so harmlose "Haschen", der Einstieg in die trostlos-tragische Welt der Drogensucht, aus der herauszukommen nur wenigen gelingt.

Es stimmt: Nicht jeder, der einmal oder gelegentlich einen "Joint" raucht, wird deshalb schon drogensüchtig. Experten sagen zwar, dass Cannabis ungefährlicher ist als Alkohol. Aber in der Geschichte der Drogensüchtigen hat es doch meist mit intensivem Haschen begonnen. Der Griff zu härteren und gefährlicheren Drogen ist dann vorprogrammiert. Zwar ist die Zahl der Drogentoten stark zurückgegangen, aber jeder dieser Toten hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich.

Auch stimmt der Hinweis der Experten: Österreichs Einstiegsdrogen Nummer eins sind noch immer Alkohol und Nikotin. Im Land der Discos, Heurigen und Bierzelte wachsen Jugendliche in einer bereits "alkoholisierten Umwelt" auf. Oft beginnen die Probleme bereits mit 12bis 14 Jahren. Auslöser sind meist Probleme in der Familie und in der Schule. Der Griff zur Flasche wird dann zum "Problemlöser" mit den bekannten, fatalen Folgen. Was tun? Drogenhandel, Drogenkriminalität und Drogenkonsum sind weltweite Probleme. Keiner von uns kann sie global lösen.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Zuwendung, Aufmerksamkeit, Zeit füreinander sind die wirksamsten Therapien. Mehr Wärme in der Familie, mehr Geborgenheit, schlicht: mehr Liebe! Dann braucht es keine Freigabe von Drogen. Weil dann Drogen nicht mehr gebraucht werden!

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