Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Euthanasie - der gute Tod?

Heute wollen viele Menschen möglichst lange und gesund leben, dann aber möglichst rasch und schmerzlos sterben. Da wir immer mehr über das eigene Leben verfügen wollen, möchten immer mehr Menschen auch über ihr Sterben selber verfügen. Nach einem guten Leben ein gutes Sterben?


"Euthanasie" wird das genannt, wörtlich: der gute Tod, das gute Sterben. Europaweit wird die Euthanasie diskutiert und mehr und mehr auch praktiziert. Tötung auf Verlangen ist in einigen Ländern schon gängige Praxis. Und mehr und mehr wird dann auch noch ein bisschen Druck gemacht, damit Alte, Kranke und Behinderte nicht allzu viel Mühe machen.

Angesichts dieser Entwicklung begrüße ich die parlamentarische Bürgerinitiative in unserem Land, die diese Woche im Parlament eine Petition gegen eine staatlich erlaubte Tötung von Kranken oder alten Menschen übergeben hat. Ich hoffe sehr, dass sie Erfolg hat. Denn bisher konnten wir immer mit einem gewissen Stolz sagen: In Österreich gibt es eine Einmütigkeit aller politischen Parteien gegen die Euthanasie. Wir halten das Wort von Kardinal König hoch: "Der Mensch soll an der Hand eines anderen Menschen sterben, nicht durch die Hand eines anderen." 

Nach neuesten Umfragen teilen immer mehr Österreicher diese Sicht und lehnen "Töten auf Verlangen" ab. Hinter dem Thema Euthanasie steht die viel grundlegendere Frage nach dem Sinn von Leben und Sterben. Das Leben ist ein Geschenk. Es ist uns anvertraut. Deshalb dürfen wir es uns auch nicht selber nehmen. Auf der einen Seite eine oft bis zum Extrem gehende Medizin, Lebensverlängerung um jeden Preis. Auf der anderen Seite der Ruf nach aktiver Tötung. Die Lösung liegt in der Mitte: Begleiten in Liebe! Wie beim kleinen Kind so beim Sterbenden. In diese Welt hinein und aus ihr heraus, nach Hause, zu Gott.

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