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07.09.2011

Exklusiv: "Ich bin der U-Häftling, der die Justiz blamiert hat"

"Falscher Häftling freigelassen." Mit dieser Schlagzeile hat Nikola B. (31) Justizgeschichte geschrieben. Am 30. Juni passierte im Gefängnis Josefstadt eine unglaubliche Panne: In der Sechs-Mann-Zelle C1/37 hatte ein 41-jähriger Slowake seine Strafe abgebüßt. Doch statt dem Freigänger geleitete das Wachpersonal den weit jüngeren Serben Nikola B. zum Anstaltstor.

Der baffe U-Häftling (fünf Einbrüche) tauchte sofort unter. Zehn Wochen entwischte er der internationalen Fahndung. Am Dienstag um 10.45 Uhr stellte er sich in Begleitung von Topanwalt Werner Tomanek selbst der Polizei. Sein letzter Termin in Freiheit: ein Heute-Interview über seine Flucht. Ort: das Café "Go West" in Wien-Neubau.

+++ Lesen Sie hier, was seine Ehefrau Danijela zu dem ganzen Vorfall sagt +++

Nikola B. kommt pünktlich. Offener Blick, tiefbraun wie nach Ferien, kräftig. Er wirkt wie ein Mann, der sich nicht länger verstecken will. In seiner Tasche hat er schon Wäsche für die Haft. An seiner Seite: Ehefrau Danijela mit Tränen in den Augen.

Heute: Die Justiz behauptet, Sie seien mit dem Ausweis Ihres Zellengenossen entwischt.
Nikola B.: Völliger Unsinn. In Haft hat niemand einen Ausweis. Wahr ist: Der Beamte hat wohl aus Versehen meinen Namen aufgerufen. Ich dachte, ich werde in ein anderes Gefängnis verlegt. Aber plötzlich stand ich allein auf der Straße.

Heute: Es gab also keinen Plan. Wohin sind Sie verschwunden?
Nikola B.: In meine Heimatstadt nahe Belgrad. Es war nicht einfach, ohne Papiere über zwei Grenzen zu kommen. Aber dann hatte ich Ruhe. Ich war früher Polizist in Serbien. Und meine Ex-Kollegen ließen durchblicken, dass sie mich übersehen, solange ich nichts anstelle.

Heute: Wovon haben Sie gelebt?
Nikola B: Meine Familie hat mir Geld gegeben. Außerdem habe ich Gartenzäune geflochten – 400 Meter in zwei Monaten.

Heute: Warum stellen Sie sich Ihren Fahndern jetzt selbst?
Nikola B.: Aus Liebe. Meine Frau Danijela hat mich im Versteck besucht. Wir haben viel geredet und sind uns einig, dass wir ein normales Leben führen wollen. Vor zwei Tagen kamen wir zurück.

Heute: Angst vorm Gefängnis?
Nikola B.: Nein. Ich habe keine Vorstrafen und bin durch falsche Freunde einmal auf die schiefe Bahn gekommen. Beim Prozess werde ich dafür bezahlen. Danach träume ich von einem stillen Glück mit Danijela.

Heute: Wird die Flucht extra bestraft?
Nikola B.: Nicht vom Gericht. Aber die Wächter könnten mich ihre Blamage spüren lassen.

+++ Lesen Sie hier, was seine Ehefrau Danijela zu dem ganzen Vorfall sagt +++

Wolfgang Höllrigl

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4 Kommentare von unseren Lesern

0

rehse (312)
08.09.2011 15:58

Normales Leben
Wenn der Vorsatz da ist, soll erv ihn auch umsetzen. Falls das dann nicht so klappt, sollte er die doppelte Strafe bekommen.

0

unbekannt (1)
07.09.2011 17:39

Flechtzaun
Zäune flechten... könnte ich mir gut vorstellen im Garten, so einen serbischen Flechtzaun. Vielleicht kann er eine kleine Flechtzaunfirma gründen, wenn er wieder heraussen ist. So könnte er doch noch "Kapital schlagen" aus seiner Flucht, sog. Fluchtzäune...

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frechesuperm... (2)
07.09.2011 06:21

U-Häftling
Jetzt schlägt er auch noch ordentlich Kapital aus der Sache! Dabei hätte er doch bloß nur umdrehen und wieder hineingehen müssen , oder gleich die Medien verständigen sollen was da passiert ist!

0

wiener1986 (83)
07.09.2011 09:32

Antwort auf U-Häftling
was für einen ordentlichen Kapital ... ? was redest du .. ist ja nicht so das er jetzt ein star wird und dabei was verdienen wird ..


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