Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Franziskus und der Klimawandel

Morgen ist das Fest des Heiligen von Assisi. Franziskus, der Freund der Tiere, der Patron der Naturschützer, der Heilige der heilen Umwelt. Kein Wunder, dass viele ihn als ein Zeichen der Hoffnung sehen in einer Zeit, in der die Schöpfung besonders gefährdet ist! Papst Franziskus hat seinen Namen ganz bewusst gewählt. Bewahrung der Schöpfung, Schutz der Umwelt ist eines seiner großen Anliegen. Und eine Not unserer Zeit.


Die Zeit drängt. Wir ahnen es. Wir spüren, dass der Klimawandel keine Einbildung aufgeregter Unheilspropheten ist. Wetterextreme, Klimaerwärmung, Ansteigen des Meeresspiegels: Über all das wird viel gesprochen, immerhin wird Einiges dagegen getan. Im September fand in New York wieder einmal ein Klimagipfel statt. Präsident Obama hat dabei gesagt: "Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel spürt. Und die letzte, die etwas dagegen tun kann."

Aber was tun? Wie soll ein Wandel zum Guten gelingen, wenn überall vom Wachstum der Wirtschaft als Lösung aller Probleme gesprochen wird? Wie sollen Wirtschaftswachstum und Klimaschutz vereinbar sein? Mich wundert immer, wie wenig auf all den Klimakonferenzen von einer der größten Ursachen des Klimawandels gesprochen wird: vom Flugverkehr! Täglich fliegen grob geschätzt 80.000 Flugzeuge durch die empfindlichen Zonen der Luftschichten. Wie oft ist der Himmel verschmiert von den Kondensstreifen der Luftfahrt! Aber sie soll ständig weiter wachsen und sich bis 2030 verdoppeln! Während Benzin hoch versteuert ist, bleibt das Kerosin der Flugzeuge weitgehend steuerfrei.

Ich spreche hier ein Tabu unserer Zeit an. Und muss doch selber oft das Flugzeug verwenden. Wie wird es unserer vom Fortschritt so abhängigen Welt gelingen, umweltschonender zu leben? Verständlich, dass viele sich an den heiligen Franz von Assisi wenden – und versuchen, sich ihn zum Vorbild zu nehmen.

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