Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Karnickel, Kinder und Lob der Familie

Kardinal Christoph Schönborn

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Papst Franziskus hat mit einem lockeren Wort weltweit für hitzige Diskussion gesorgt: "… um gute Katholiken zu sein, müssen sie sich nicht wie die Karnickel vermehren".

Humorlos war nur die Reaktion des deutschen Kaninchenzüchtervereins. Schmerzlich traf dieser scherzhafte Vergleich manche kinderreichen Familien. Werden sie vom Papst bloßgestellt? Ein befreundetes junges Ehepaar, die das fünfte Kind wieder mit Kaiserschnitt erwarten, hat mir anvertraut, dass dieses Wort des Papstes ihnen wehgetan hat.

In Wirklichkeit ging es ihm um die verantwortete Elternschaft. Dazu wollte er ermutigen. Und sicher nicht die entmutigen, die zu Kindern Ja sagen. Denn er weiß bestens, wie sehr die Familie die Zukunft unserer Gesellschaft bedeutet.

Doch wie ist die Situation in unserer Gesellschaft? Immer weniger junge Menschen wollen oder können in der modernen Gesellschaft eine Familie gründen. Viele leben "einfach so" miteinander, ohne Trauschein, aus verschiedensten Gründen. Das Singleleben wird immer mehr zur üblichen Lebensform. Die traditionelle Großfamilie schrumpft, nicht nur in Österreich oder Europa, sondern weltweit.

Damit gehen aber auch wichtige Erfahrungen verloren. Früher wuchsen die Menschen in einem Beziehungsgeflecht auf. Zu diesem gehörten neben den Eltern, Geschwistern, Großeltern und Enkeln auch noch Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen.

In schwierigen Zeiten hat sich die Großfamilie oft als soziales Netz bewährt. Sie bietet menschliche Nähe, Schutz und Beistand und lebt aus den gemeinsamen Erinnerungen und Erfahrungen. Gerade das hat Papst Franziskus auf seiner Asienreise betont.

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