Kommentar von Kardinal Christoph Schönborn: Fasten für den Frieden

"Heute, liebe Brüder und Schwestern, möchte ich mir den Schrei zu eigen machen, der von jedem Winkel der Erde, von jedem Volk, aus dem Herzen eines jeden und von der einen großen Menschheitsfamilie mit immer größerer Ängstlichkeit aufsteigt. Es ist der Schrei nach Frieden." Papst Franziskus erließ letzten Sonntag einen dramatischen Appell für den Frieden.

Es war Sonntag, der 1.September, der Tag, an dem 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach. Heute blickt die Welt gebannt auf den Krisenherd Syrien. Ist Friede noch möglich? Steht wieder ein Weltkrieg vor der Tür? Angesichts der drohenden Gefahr hat Papst Franziskus für morgen, Samstag, zu einem weltweiten Gebets- und Fasttag für den Frieden aufgerufen. Eingeladen sind alle christlichen Kirchen, aber auch andere Religionen. Die Muslime in Syrien haben bereits signalisiert, dass sie ebenfalls in ihren Moscheen beten wollen. Mit Gewalt lassen sich keine Probleme lösen.

Niemand hat dies besser erkannt als Mahatma Gandhi, der Vater und Vorkämpfer der indischen Unabhängigkeit, der bewusst für den Frieden gefastet hat. "Ich glaube an die Gewaltlosigkeit als einziges Heilmittel", so lautete seine Maxime, und er hat auch gesagt: "Auge um Auge – und die ganze Welt wird blind sein." Österreichs Bundesregierung hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, 500 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Syrische Christen werden dabei nicht bevorzugt, sondern sind eine besonders bedrohte Minderheit. Deshalb bedürfen sie eines besonderen Schutzes.

In Wien und an vielen Orten wird zusammen mit Papst Franziskus für den Frieden im Nahen Osten gebetet. So auch im Stephansdom – morgen, Samstag, von 20 bis 24 Uhr: Beten und Fasten als "Ruf für den Frieden"!

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