Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Kreuzigung heute

Kardinal Christoph Schönborn

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Heute ist Karfreitag. Todestag Jesu. Gestorben gegen 15 Uhr, am Freitag des Osterfestes im Jahre 30. Todesursache: Kreuzigung. Das geschah vor 1.986 Jahren. Und heute geschieht es wieder. Die Dschihadisten, die IS-Leute kreuzigen ihre Opfer. Und scheuen sich nicht, Fotos und Videos davon ins Netz zu stellen. Ihre Opfer sind Christen, aber auch Menschen anderer Religionen, selbst Muslime. Wer hätte gedacht, dass im 21. Jahrhundert wieder gekreuzigt wird!

Es war die grausamste Todesstrafe, die es im Altertum gab, und die Römer machten reichlich davon Gebrauch. Jesus ist zweifellos der berühmteste Gekreuzigte. Weil er von Christen in aller Welt verehrt wird, ist das Kreuz zum Kennzeichen der Christen geworden. Heute wird es wieder zum Zeichen der Christenverfolgung. Warum wird ständig an dieses schreckliche Folterwerkzeug erinnert? In Schulen und Spitälern, auf Kirchtürmen und Bergspitzen. In unserem Land stößt man überall auf das Kreuz. Immer wieder kommt die Diskussion auf, ob Kreuze nicht aus dem öffentlichen Raum entfernt gehören. Soll die Öffentlichkeit wirklich religionslos sein?

Mich hat die Antwort einer Muslimin in einer Fernsehdiskussion beeindruckt. Auf die Frage, ob sie die vielen Kreuze in unserem Land nicht stören, meinte sie, sie sei froh in einem Land zu leben, in dem Menschen an Gott glauben. Dem kann ich nur zustimmen. Das Kreuz erinnert daran, dass Jesus lieber Gewalt erlitten hat, als zur Gewalt aufzurufen. Das Kreuz ist das Zeichen der Versöhnung. Es hilft, an die vielen Opfer von Krieg und Terror zu denken, ganz besonders heute, am Karfreitag.

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