Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Libanon: Niemals die Hoffnung aufgeben

Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn (© AP)

Diese Woche war ich für zwei Tage Gast im Libanon, bei einer Konferenz der christlichen Kirchen des Landes.

Können wir uns vorstellen, mit welcher Flüchtlingswelle es dieses kleine, tapfere Land derzeit zu tun hat? Mit seinen 4,2 Millionen Menschen hat es zusätzlich mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge, vor allem aus dem benachbarten Syrien, zu verkraften. Auf Österreich angewandt hieße das, wir hätten 3 Millionen Flüchtlinge im Land. Angesichts des Bürgerkrieges in Syrien, noch verstärkt durch den Terror der IS-Kämpfer ("Islamischer Staat"), ist eine friedliche Lösung derzeit nicht in Sicht.

Die Caritas Libanon ist unermüdlich am Werk, den zahllosen Flüchtlingen zu helfen, die oft nur ihr nacktes Leben retten konnten. Unsere österreichische Caritas ist zusammen mit "Nachbar in Not" vorbildlich an der Flüchtlingshilfe beteiligt. Davon konnte ich mich beim Besuch von Flüchtlingseinrichtungen überzeugen. Erschütternde Schicksale: Etwa die Familie aus Syrien, deren zwölfjährige Tochter bei einem Bombenangriff auf ihre Schule beide Beine verloren hat. Oder Menschen, die nur mit dem, was sie am Leib tragen, alles verlassen mussten. Fast alle hoffen, wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Hoffen sie vergeblich?

Thema der Konferenz in Beirut war die Zukunft der Christen im Nahen Osten. Werden sie in dem Konflikt zwischen den sich bekriegenden Fraktionen des Islam aufgerieben? Bleibt ihnen in der ältesten Heimat des Christentums keine Überlebenschance? Am tiefsten hat mich beeindruckt, dass sie die Hoffnung nicht aufgeben. Bei uns wird oft gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Dort habe ich gespürt: Nein, die Hoffnung stirbt nicht. Auch nicht als Letztes. Sie ist letztlich unsterblich.

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Kennwort: Syrische Flüchtlinge/ Flüchtlingsbüro der Caritas Libanon

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