Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Nah und frisch? Ja, natürlich!

Das ist keine Werbeeinschaltung für Lebensmittelketten. Es ist die besorgte Frage eines Österreichers und Europäers, wohin wir gehen, wenn es zum umstrittenen Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA kommt.


Die Diskussion wird immer heftiger: Die Befürworter argumentieren mit wachsenden wirtschaftlichen Chancen und Arbeitsplätzen. Die Kritiker befürchten sinkende Sozial- und Umweltstandards in allen Lebensbereichen. Es droht die Verdrängung unserer heimischen Lebensmittel durch mächtige ausländische Agrarkonzerne.

Als Bürger unseres Landes frage ich mich oft: Wie viele Kilometer hat ein Produkt zurückgelegt, bis es auf meinen Teller kommt? Wie naturnahe ist die Erzeugung unserer Nahrungsmittel? Wie krisensicher ist ein Lebensmittelmarkt, wenn er immer mehr von Handelswegen rund um den Globus abhängig ist, ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt?

Nun kann natürlich argumentiert werden: Du, der Konsument, die Konsumentin musst entscheiden! Du solltest umweltbewusst einkaufen! Du hast es mit deinem täglichen Marktverhalten in der Hand, ob gesunde, heimische und naturnahe Produkte von vertrauenswürdigen Erzeugern Erfolg haben oder aber billige, anonyme Importware. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit. Es ist erfreulich, dass viele Menschen inzwischen bewusster und gesünder einkaufen, und wenn schon überseeische Produkte, dann zunehmend „Fairtrade“-Produkte, die wirklich den Bauern in den armen Ländern helfen.

Aber auch der Staat hat eine Regulierungspflicht. Der freie Markt darf nicht das oberste Gesetz sein. Es geht mehr um das Wohl der Menschen als um die großen Gewinne der globalen Konzerne. Deshalb mache ich mir Sorgen wegen des TTIP. Und viele andere mit mir.

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