Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Neustart in den Herbst

Neustart ist angesagt. Nicht nur für die Koalitionsregierung seit dem "starken Abgang" von Vizekanzler Michael Spindelegger. Nächste Woche ist auch Schulbeginn. Österreich braucht in vielen Bereichen einen Neubeginn. Wir wissen es. Aber wie angehen? Wo anfangen? In der Politik? In der Bildung? Bei den Finanzen?


Besinnung, nachdenken und beten hilft allemal. Ich finde es schade, dass Michael Spindelegger nicht mehr die Loyalität erhalten hat, die es braucht, um politisch wirken zu können. Für zwei Bemühungen bin ich ihm ausdrücklich dankbar: Als Außenminister hat er dem Thema Religionsfreiheit besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Wir sehen, wie recht er damit hatte.

In Syrien, im Irak, in Nigeria werden Christen und andere religiöse Minderheiten brutal verfolgt. Viel zu wenige erheben dagegen ihre Stimme. Er hat nicht zu diesem Unrecht geschwiegen. Mögen viele politisch Verantwortliche ihn nachahmen. Als Finanzminister hat er das schier Unmögliche versucht: dass unser Schuldenberg nicht mehr weiter anwächst. Ein weiteres Ansteigen der Verschuldung kann nur auf Kosten der kommenden Generation gehen. Aus Populismus neue Schulden zu machen, das kann doch nicht die Lösung sein!

Jetzt schon zahlen wir nur für die Zinsen der Staatsschulden an die 10 Milliarden pro Jahr. Was könnte mit diesem Geld nicht alles finanziert werden! Zum Beispiel die ganze Bildungsreform. Es wäre dann auch ein Leichtes, den etwa 130.000 armutsgefährdeten Kindern in Österreich beim kostspieligen Schulstart zu helfen. Ein neues Schul- und Arbeitsjahr beginnt. Ich wünsche uns allen einen mutigen Neustart. Und Gottes Segen für ein gutes Gelingen!

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