Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Sei ein Segen!

Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn

Mehr Fakten
Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn

Heute spreche ich etwas an, das mir besonders am Herzen liegt. Es passt auch gut zur Fastenzeit. Der Segen, das Segnen! Meine Mutter wird bald 95. Nie gehe ich von ihr weg, ohne dass sie mir ihren Segen gibt. Sie macht mir einfach ein Kreuzeszeichen auf die Stirne. Viele Menschen wissen um die Bedeutung des Muttersegens. Natürlich mache ich dann immer auch meiner Mutter ein Kreuzeszeichen. Mache ich das als Priester, Bischof, Kardinal? Oder einfach als Sohn meiner Mutter?

Als Priester und als Bischof werde ich oft um Segen gebeten. Was kann nicht alles gesegnet werden! Wohnungen und Häuser, Autos, Motorräder, Rettungsfahrzeuge, Geschäfte, Bahnhöfe, Spitäler …, vor allem aber Menschen. Besonders schön sind Kindersegnungen, Segensfeiern für Liebende, für Jubilare. Berührend der Segen vor einer Geburt, vor schweren Prüfungen, in Krankheit. Alle diese vielen Bitten um Segen zeigen ein tiefes Wissen um das, was das alte Sprichwort sagt: "An Gottes Segen ist alles gelegen". Aber eines weiß ich sicher: Segnen ist nicht nur Sache des Priesters.

Alle dürfen und können segnen. Alle sollen wir segnen. Viele erinnern sich an den Brauch, das Brot zuerst zu segnen, ehe man es anschneidet. Das Tischgebet ist ein Segen, den wir gemeinsam sprechen können. Und wie schön ist es, wenn Eltern ihre Kinder segnen. Wir müssen uns nur trauen, es zu tun. Und wie kostbar ist es, wenn wir von einem Menschen sagen können, er sei ein Segen für die anderen. Ist das nicht ein gutes Ziel für die Fastenzeit? Sei ein Segen!

Ihre Meinung