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22.09.2011

Spanische Hofreitschule: Jetzt droht Streik

Nach den dramatischen Ereignissen rund um die Lipizzaner gärt es in der Spanischen Hofreitschule und im Gestüt Piber.

In der "Spanischen" brodelt es gewaltig: Wie berichtet, hat sich der Bereiter Harald Bauer Dienstagfrüh in der Hofreitschule das Leben genommen.Gegenüber „  Heute“ spricht die Belegschaft j etzt Kla rtext.    „Was muss noch alles passieren, damit Frau Gürtler endlich erkennt, dass sich etwas ändern muss?“

Beirat zurückgetreten
Fakt ist: Nach dem Tod des Bereiters hat sich der Beirat, der die  Reiter  vertritt, am Mittwoch aufgelöst. „Aus Protest gegen die Führung der Schule. Und aus Solidarität mit dem verstorbenen Kollegen“. Hintergrund: Generalin Elisabeth Gürtler hatte in einer Aussendung den Tod des Verstorbenen mit Alkoholismus in Verbindung gebracht. Wörtlich hieß es da: Seit Juni heurigen Jahres befand sich Bauer wegen gravierender psychischer Probleme und Alkoholabusus, durch den er auch seinen Führerschein verloren hatte, in stationärer Behandlung. "Dass der Verstobene nach seinem Tod noch angepatzt wird, damit sind wir nicht einverstanden", meinen die Mitarbeiter, die sein Ableben auch mit dem psychischen Druck in der Reitschule in Zusammenhang sehen.

Jetzt wird ein Streik nicht mehr ausgeschlossen. Dabei würden die Pferde weitertrainiert werden, die Vorstellungen jedoch ausfallen.
 
Die Vorwürfe im Detail:
 „Die Pferde können nicht mehr die Qualität bringen, die die Hohe Kunst der Schule erfordert“, so der Tenor:
  • Zweite Garnitur. Von einer zweiten Equipe für Auslandstourneen, die Generalin Gürtler immer „vorgaukle“, sei man puncto Anzahl der Bereiter (nur noch 13, exklusive Leiter) und ausgebildeten Pferde „weiter entfernt denn je“.
  • Programm-Kürzungen. Auch mussten bestimmte Figuren aus dem Programm gestrichen bzw., wie im Fall "Handarbeit" und "Schule über der Erde", zusammengelegt, die klassische "Schulquadrille" auf um mehr als die Hälfte der Zeit gekürzt werden.
  • Krankheiten. Und: Die Tiere seien „schlicht überlastet“: Wären etwa früher genügend Pferde da gewesen, die ausschließlich für die Vorstellungen beim Morgentraining herangezogen wurden, müssen ein und die selben Tiere jetzt auch bei den Abendvorstellungen herhalten. "Das ist völlig unzumutbar für die Tiere", sagt die Belegschaft im Gespräch mit "Heute". Kein Wunder, dass die Pferde anfälliger für Krankheiten seien.
  • "Geld zurück". Die Folge: Immer häufiger kämen Beschwerden von Besuchern, weil die Qualität nicht mehr passe. "Geld zurück-Forderungen" stünden inzwischen an der Tagesordnung.

"Weniger wert als Billeteure"
Ein weiterer Vorwurf bezieht sich auf die Nichteinbeziehung der Bereiter in wichtige Entscheidungen, die Lipizzaner betreffend. Im Gegenteil: "Bei der leisesten Kritik droht der Rauswurf." Und weiter: „Dabei wissen nur wir, was unseren Pferden gut tut. Aber auf uns hört niemand  mehr“, heißt es. Beispielsweise musste der Boden, auf dem die Tiere trainieren, zweimal innerhalb kürzester Zeit ausgetauscht werden. Die Aktion war mit enormen Kosten verbunden. Kosten, die letztlich die Öffentlichkeit zu tragen habe. "Hätte man die Bereiter von vorne herein gefragt, hätte man sich viel Geld erspart", so die Belegschaft. „Intern sind wir heute weniger wert, als die Billeteure", von Respekt vor dem Berufsstand sei nichts mehr zu spüren.
 
Konkrete Forderungen
Die Forderungen der Belegschaft decken sich großteils mit denen des "Freundeskreises der Spanischen Hofreitschule", die Gürtler immer als "ahnungslose, selbst ernannte Experten" bezeichnet hatte: Entlastung der Lipizzaner, stärkere Einbeziehung des Bereiter-Know Hows, mehr Geld für die Kulturinstitution, und: Übersiedlung der Schule vom Landwirtschafts- ins Kulturministerium von Claudia Schmied. Nur so könne die „Spanische“ gerettet werden, so die Meinung der Lipizzaner-Mitarbeiter.

Anmerkung: Aus Angst vor Konsequenzen, wie Job-Verlust und einer damit verbundenen, möglichen Existenz-Gefährdung, wollten die Mitarbeiter der Institution Hofreitschule und Piber die Kritik an der Geschäftsführung nicht namentlich aussprechen. Das Gespräch mit "Heute" verlief strengstens vertraulich.

Maria Jelenko

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7 Kommentare von unseren Lesern

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Liango (1)
24.09.2011 11:10

BILANZ
Da in Frau Gürtler mit ihren Mitarbeitern willkürlich umgeht und der Wert eines Menschen als Mensch für sie nicht zählt, sollte sie nicht vergessen in ihrer Jahresbilanz den materiellen Wert eines toten Bereiters zu berücksichtigen. Die Ausbildung vom Eleven bis zum fertigen Bereiter kostet viel Geld. Das muss sie als Fehlbetrag über viele Jahre in ihre Bilanz einstellen. Nur - mit keinem Geld der Welt kann man eine Persönlichkeit ersetzen, die über jahrelange Erfahrung verfügt und auch noch menschlich ist!
Ach ja, das ist Frau Gürtler ja egal, hauptsache sie Kasse stimmt.

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Poscharnigg (3)
23.09.2011 23:59

Gesetz des Schweigens
Bereiter Harald Bauer erhängte sich in den Räumlichkeiten der Spanischen Hofreitschule. Er war ein sensibler Mensch. Einer, der lieber schwieg und „alles in sich hineingefressen hat“, wie ein Kollege formulierte.An der Spanischen Hofreitschule gilt das Gesetz des Schweigens. 2 Oberbereiter wurden vom Dienst suspendiert, freigestellt. Die Bereiter sind wissende Experten in Sachen Reitkunst und Lipizzaner. Sie müssen sich unwissender Leitung unterwerfen. Nackte Existenzangst geht um. Giftige Luft des Teile und Herrsche. Wer Kritik übt, wird beseitigt. Und wird selbst noch im Tod mit Dreck beworfen: Bereiter Bauer sei „ein Abschusskandidat“ gewesen, „dem Alkohol verfallen“, verhöhnt das Management den Toten. Die Seele der Hofreitschule schreit. Der Tod triumphiert über Bereiter Bauer. Von den Zeitungsseiten grinst das knochige Gesicht der Frau Gürtler. Das Gesetz des Schweigens.Der Tod von Bereiter Harald Bauer darf nicht umsonst gewesen sei.

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unbekannt (2)
24.09.2011 21:02

Antwort auf Gesetz des Schweigens
Harald war einer der wenigen Menschen, für den Ehrlichkeit und Geradlinigkeit noch Werte waren. Die Tatsache, dass sein Lehrmeister durch Intrigen aus der Spanischen „entfernt“ wurde, die korrekte Arbeit mit den Pferden nicht mehr gewürdigt wurde – sowie die Tatsache, dass man mit freier Meinungsfreiheit (zugunsten der Pferde und der Hohen Reitkunst) nicht in der Span.Hofreitschule überleben konnte – all dies war ausschlaggebend für das Zeichen, dass er mit seinem Freitod setzen wollte. Jeder kann erkennen, wie das Niveau der Spanischen Hofreitschule gesunken ist – sogar LH Dr.Pröll sprach im Rahmen der Gala in Heldenberg von einem „Volksschulniveau“ – diesen „Untergang“ der klassischen Reitkunst gepaart mit der Angst um seine 4-beinigen Partner (Bereiter und Pferd sind knapp 20 Jahre ein Team) – dies alles wollte Harald nicht mehr miterleben. Lieber Harry – Danke, dass ich Dich nicht nur als Bereiter Harald Bauer sondern als Mensch kennenlernen durfte!

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unbekannt (1)
23.09.2011 11:43

Danke an "Heute"
Danke, dass ihr die Fakten auf den Tisch bringt! Danke, dass ihr verstrauliche Interviews führt! Der guten Frau Gürtler muss endlich klar gemacht werden, dass sie die Spanische in den Abgrund führt!

Pferde und Bereiter sind am Ende!

"Harald Bauer war ein Abschusskandidat" wie in einem gestrigen Artikel geschrieben wurde, ist doch ein eindeutiges Zeichen einer Mitschuld an seinem Freitod! Pfui, Frau Gürtler!

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Hugoport (514)
23.09.2011 11:20

für die ROTEN die Heilige Kuh ?
Die Staatsbetriebe waren schon immer die Heilige Kuh für die Roten !
Was sich Staatsbetriebe geleistet haben war ja schon nicht mehr tragbar !
Wenn ews eben am Jahresende Geldprobleme gab war der Staat der große Zahler ? Wer ist der Staat ? Wir alle ? So wirtschaften war kein Problem , das kann wohl jeder Narr ! Wenn nun Ordnung geschaffen werden muß, also GESPART , dann schreien die Betroffenen ?
Mit wlechem Recht müssen wir alle weiter zahlen

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Hamstervorme... (1)
23.09.2011 11:04

Inkompetentes Matriachat des Schreckens
Hut ab, vor der Zivilcourage der MitarbeiterInnen, die sich trauen, sich zu erheben gegen den inkompetenten und inhumanen Führungsstil der Frau Gürtler und ihren Adlaten. Der einzige rote Faden, oder mag man es als wenig durchdachtes Konzept bezeichnen, der sich durch ihr Matriachat zieht, ist schlicht und einfach Willkür, formschön und populär in Effizienz und Ökonomie verpackt. Wo sonst finden Freistellungen und Kündigungen in solch Häufung statt? Ökonomisch kann es allerdings nicht sein, wenn zwei Oberbereiter mit vollen Bezügen tagsüber durch die Gegend laufen, anstatt ihrer Berufung nachzugehen. Eine teure, aber zugegebener Maßen wirkungsvolle Methode um sich unliebsame Querulanten vom Hals zu schaffen.Ob und inwieweit diese Umstände mit dem tragischem Selbstmord korrelieren, ist wohl schwierig bis unmöglich zu sagen, wie allerdings von Seiten der Geschäftsführung mit der menschlichen Tragödie umgegangen wird, ein weiteres Stück roter Faden..

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Sankt_Georg (4)
23.09.2011 09:26

Peitschenknallen
Schon bei den edlen Hengsten führt nicht Gewalt zur Perfektion, noch weniger bei den Reitern. Aaber wer seine Belegschaft wie Pagen behandelt, der darf sich nicht wundern...

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