Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Stärker als der Tod

Kardinal Christoph Schönborn

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Am 3. April ist Karfreitag. Der Sterbetag Jesu. Die Trauer um seinen Tod. Die Klage um sein Leiden. "Kar" kommt vom alten Wort "Kara": Klage, Kummer, Trauer. Wie viel Trauer gibt es heute in aller Welt, Kummer und Klage über einen lieben Verstorbenen, um Opfer der Kriege, Tote von Attentaten, grausamer Folter bis hin zu Kreuzigungen wie damals, zur Zeit Jesu. Aber das Sterben Jesu ist auch Hilfe für viele, ihren Kummer und ihre Trauer besser zu leben. Die Worte Jesu, die er am Kreuz gesprochen hat, geben Kraft und Trost.

So hat er, als man ihn am Kreuzbalken angenagelt hat, gebetet: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Er hat also allen verziehen, den jüdischen Obrigkeiten, die beim römischen Statthalter seine Kreuzigung durchgesetzt haben, und denen, die sie dann als Henker durchgeführt haben.

Zwei Worte sind sehr tröstlich: Jesus wurde zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt. Der eine bat Jesus, dass er "drüben" an ihn denken möge. Ihm hat Jesus versprochen: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." Ein Verbrecher – der erste im Himmel! Das gibt Hoffnung! Und zu seiner Mutter, die diese Qualen ihres Sohnes ohnmächtig mitansehen musste, sagte Jesus: "Frau, siehe, dein Sohn!" Damit meinte er den Apostel, den er besonders mochte: Johannes. Er sollte sich in Zukunft um die Mutter Jesu kümmern, was er auch tat.

Besonders bewegend ist der Ausruf Jesu: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Todesnot und tiefe Einsamkeit des Sterbenden kommen hier zum Ausdruck. Dann aber wie ein Loslassen und Vertrauen: "Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist." Und ein letztes Wort: "Es ist vollbracht."

Am Freitag wird um 15 Uhr an vielen Orten eine Schweigeminute gehalten. Es ist die Einladung, an Jesu Tod zu denken. Und an den eigenen. Und an die Hoffnung auf Ostern, das neue Leben, das stärker ist als der Tod.

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