Wien

Wein sollte man lieber nur kosten

Jeder Zweite fragt mich, was ich zu der versunkenen Pappel vom Schottenring sage. Kann nur antworten: Keine Ahnung, war ja nicht einmal vor Ort, um die rätselhafte Grube zu besichtigen. Woher sollte ich mehr wissen als die Fachleute?

Mitten in diese eher grantige Stimmung platzt ein sichtlich aufgeräumter Zeitgenosse. Er habe, so schildert er begeistert, an einer wirklich tollen Weinverköstigung teilnehmen dürfen. Nicht verhört, er sagte: Verköstigung.

Mir fällt seit einiger Zeit auf, dass die Leute statt Weinkost oder auch Weinverkostung gern das Wort Weinverköstigung benützen. Vielleicht meinen sie, dass das irgendwie vornehmer klingt als die simple Kost?

Verköstigung durch Wein suggeriert aber Alkoholkrankheit im fortgeschrittenen Stadium, wo feste Speisen vom Magen nicht mehr vertragen und nur noch geistreiche Getränke in den Nahrungskreislauf eingespeist werden. Drum verwendeten sie auf dem Lande, wenn ein Dorfgenosse aus Liebe zu Most und Obstler eine gerötete Nase und triefende Äuglein aufwies, den bäuerlichen Fachausdruck: „Da wird nur mehr nass g’fuattert.“

Also belassen wir es beim Wein mit dem Kosten und bleiben für die Verköstigung bei Soliderem wie Schweinsbraten, Geselchtem, Kraut & Knödel.

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