Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Welche Freiheit für "Charlie Hebdo"?

Kardinal Christoph Schönborn

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Karikaturisten sind Gradmesser der Freiheit. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Religionsfreiheit: Es sind Grundfreiheiten einer guten, offenen Gesellschaft. In langen und oft schweren Kämpfen wurden sie errungen. Und immer wieder müssen sie verteidigt werden.

Und in vielen Teilen der Welt müssen sie erst erkämpft werden. Die Massaker von Paris haben wieder bewusst gemacht, wie kostbar diese Freiheiten sind. Millionen Menschen haben sich weltweit solidarisch erklärt: "Ich bin Charlie." Aber ist damit schon alles gesagt? "Charlie Hebdo" scheute sich nicht, neben humorvollen und satirischen Karikaturen politischer Art seit Jahren vor allem das Christentum und den Islam in verächtlich machenden und vulgären Karikaturen darzustellen.

Wo ist die Grenze der drei genannten Freiheiten? Dort, wo es um die Achtung vor dem geht, was dem anderen heilig ist. Ich muss die Ansicht der anderen nicht teilen. Darf ich sie deshalb schon heruntermachen? Unser Land hat eine traurige Geschichte von verhetzenden Karikaturen. Ich denke an die hasserfüllten antisemitischen Karikaturen des späten 19. Jahrhunderts. Diese giftige Saat ist aufgegangen und hat zu den Massenmorden an den Juden beigetragen. Hätte es damals deutliche Schritte gegen diese Hetze gegeben, vielleicht wären viel Leid und schreckliche Schuld vermieden worden.

Nichts rechtfertigt die Gewalt gegen "Charlie Hebdo". Nichts rechtfertigt das Massaker an Juden in einem Pariser jüdischen Supermarkt. Alles spricht dafür, dass wir den Weg der gegenseitigen Achtung und Wertschätzung gehen. Wir brauchen nicht die, die Brücken sprengen, sondern die, die zwischen den Menschen Brücken bauen. Es geht um unser aller Miteinander!

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