Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Wer rettet den Nikolaus?

Kardinal Christoph Schönborn

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Morgen, pünktlich zum 6. Dezember, kommt wieder der heilige Nikolaus. Es bleibt nur die Frage: Mit oder ohne Rauschebart?

Manche meinen modern zu sein: ohne Bart! "Damit die Kinder keine Angst bekommen", wie manche Kinderpädagoginnen fürchten. Sogar weibliche "Nikoläuse" sind unterwegs, ganz im Stil der Zeit. Was macht den echten "Nikolo" aus? Was wird aus den liebgewordenen Kindererinnerungen meiner Generation?

Erinnern wir uns, wer Nikolaus eigentlich war: ein Bischof. Daher seine Bischofsmütze. Daher sein Bischofsstab. Wie oft erlebe ich es, wenn ich als Bischof mit Mitra und Stab in eine Kirche komme, dass ein Kind ausruft: Der Nikolo kommt! Und das, obwohl ich keinen Rauschebart habe.

Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra, dem heutigen Demre in der Provinz Antalya in der Türkei. Und weil er ein großes Herz für notleidende Kinder hatte, ist der Brauch entstanden, an seinem Fest den Kindern Geschenke zu bringen. Das wäre wohl so geblieben, hätte Coca-Cola nicht 1931 den heiligen Nikolaus, in den USA "Santa Claus" genannt, zum weltweiten Werbeträger gemacht.

Und da das Fest des heiligen Nikolaus nahe an Weihnachten liegt, wurde aus dem erfolgreichen Werbeträger Santa Claus der Weihnachtsmann, vermutlich weil mit Weihnachten mehr Geschäft zu machen war und ist, als mit dem liebevollen Freund der armen Kinder.

Jetzt, da die Zeiten schwieriger werden, ist es gut, den ursprünglichen heiligen Nikolaus wieder zu entdecken. Denn es gibt leider zu viele Kinder in unserer Welt, die Not leiden und Hilfe brauchen.

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