Projekt "Smart City"

Wien will Autoverkehr bis 2030 halbieren

Smart City Häupl Vassilakou

Maria Vassilakou (Grüne) und Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) gehen auf den Verkehr los.

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Smart City Häupl Vassilakou

Maria Vassilakou (Grüne) und Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) gehen auf den Verkehr los.

Im Jahr 2030 sollen in Wien im Vergleich zu heute nur mehr halb so viele Wege mit dem Auto zurückgelegt werden. So steht es in der "Smart City"-Rahmenstrategie, die Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Vize-Stadtchefin Maria Vassilakou (Grüne) am Dienstag präsentiert haben. Mit u.a. mehr Forschung und weniger Ressourcenbedarf will Rot-Grün die hohe Lebensqualität in Wien auch künftig sichern. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache findet die Pläne "verhaltensoriginell".

Die Zielsetzungen sollen gewissermaßen den Weg zu einer "Stadt, die nicht auf Kredit der zukünftigen Generationen lebt", ebnen, umschrieb Thomas Madreiter von der MA 18 (Stadtentwicklung) das international inzwischen übliche Schlagwort "Smart City".

Bei der Lebensqualität das jetzige Niveau in den kommenden Jahrzehnten zu halten, sei angesichts des starken Wachstums eine enorme Herausforderung, verwies Häupl in einer Pressekonferenz einmal mehr auf Prognosen, wonach um 2030 bereits zwei Millionen Menschen in der Bundeshauptstadt leben werden.

"Die Stadt gscheit organisieren"
Die Visionen bis 2050 - mit einer gedanklichen Zwischenetappe im Jahr 2030 - wurden in den vergangenen drei Jahren erarbeitet und nun in einem 80-seitigen Programm zusammengeführt, das am 24. Juni im Gemeinderat beschlossen werden soll. "Es hat in Wien Tradition, die Stadt gescheit zu organisieren", so der Bürgermeister.

Das Strategiepapier für Wiens Zukunft umfasst drei Großbereiche. Unter den Bereich Ressourcen fallen Energie, Mobilität und Gebäude. Ins Auge fällt hier vor allem die Zielsetzung, den Anteil des Autoverkehrs von aktuell 28 auf 15 Prozent bis 2030 beinahe halbieren zu wollen. Gelingen soll das mit verbesserten Angeboten bei Öffis und der Rad- und Fußgängerinfrastruktur.

Denn Öffi-Nutzer verbrauchten pro Fahrkilometer nur ein Zwanzigstel jener Energie, die Autofahrer für die gleiche Strecke benötigten, betonte Vassilakou. Ab 2050 sollen innerhalb der Stadtgrenzen dann nur noch Kfz mit neuer Antriebstechnologie (z. B. Elektromobilität) unterwegs sein.

Ziel: Unter Top Ten Europas bleiben
Weitere Zielsetzungen in diesem Bereich: Bis 2050 soll die Hälfte des Wiener Energiebedarfs aus erneuerbaren Rohstoffen stammen. Gleichzeitig will man die Treibhausgasemissionen pro Kopf um 35 Prozent bis 2030 und sogar 80 Prozent bis 2050 - jeweils im Vergleich zu 1990 - reduzieren. Dank neuer Gebäudestandards soll zudem der Energieverbrauch für Heizen, Kühlen und Warmwasser kontinuierlich um ein Prozent pro Kopf und Jahr gesenkt werden.

Der zweite Themencluster Innovation umfasst Bildung, Forschung und Wirtschaftung: Rot-Grün will aus der Bundeshauptstadt bis zur Mitte des Jahrhunderts eine der fünf größten europäischen Forschungs- und Innovationsmetropolen machen. Der Anteil technologieintensiver Produkte am Export soll von 60 (2012) auf 80 Prozent steigen. In Sachen Kaufkraft will man unter den Top Ten Europas bleiben.

Grünanteil von 50 Prozent auf lange Sicht
Der dritte Komplex Lebensqualität bündelt Aspekte wie Gesundheit, Umwelt und soziale Inklusion. Die Stadt verpflichtet sich zu einer Sicherstellung der medizinischen Versorgung "auf höchstem Niveau" für alle Wiener, wobei Anzahl und Dauer der Krankenhausaufenthalte reduziert werden sollen und der öffentliche Spitalbetreiber - sprich: der Krankenanstaltenverbund - nach Effizienzpotenzialen durchforstet wird.

Außerdem hat sich Rot-Grün dem friedlichen sicheren Zusammenleben aller Menschen unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung und physischer wie psychischer Verfasstheit verschrieben. Der stadtweite Grünanteil von gut 50 Prozent soll auf lange Sicht erhalten bleiben.

Strache: "Verhaltensoriginell"
Die Langzeitpläne der Wiener Stadtregierung sind bei der Opposition nicht gerade auf Begeisterung gestoßen. Rot-Grün werde "mehr und mehr verhaltensoriginell", meinte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache dazu per Aussendung. ÖVP-Landesparteichef Manfred Juraczka sprach von "Autofahrer-Bashing", das alles andere als smart sei.

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