Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Wir müssen nicht jeden Unsinn mitmachen

Liebe Mutti, lieber Vati! Sind solche Worte bald schon hoffnungslos altmodisch? Der Europarat empfiehlt, man solle in Zukunft in der Verwaltungssprache nicht mehr von "Vater" und "Mutter" reden, sondern von "Elternteil 1" und "Elternteil 2", oder noch schlimmer, von "Elter 1" und "Elter 2". Dieser Trend ist schon seit Jahren zu beobachten.


In Dokumenten sollen nur "geschlechtsneutrale" Formulierungen verwendet werden. Weil bestimmte Gruppen wegen der "Gender-Ideologie" Worte wie "Vater" oder "Mutter" als Diskriminierung empfinden, steht zum Beispiel auf britischen Antragsformularen nur mehr "parent 1" und "parent 2". Auch Spanien, Frankreich und Schweden haben diese "Beseitigung" von Vater und Mutter bereits durchgeführt.

Ich wundere mich und frage mich: Haben diese Länder keine anderen Probleme? Will man durch solchen ideologischen Unfug vom Drama der Jugendarbeitslosigkeit ablenken? Dabei sagen alle, die genauer hinschauen: In wirtschaftlich schweren Zeiten ist es vor allem die Familie, die Rückhalt bietet und ein haltbares Auffangnetz darstellt.

Auch die EU fördert eifrig die Gender-Ideologie. Also immer mehr ein Aus für "Mann" und "Frau"? "Fräulein" ist schon längst verboten. Aber wohin führt es, wenn die Geschlechterkategorien immer mehr aufgelöst, ja verpönt werden? Ich male mir schon aus, dass wir dann nicht mehr, wie am vergangenen Sonntag Vatertag feiern werden, sondern "Elter-2-Tag". Dass wir am 2. Sonntag im Mai nicht mehr Muttertag, sondern "Elter-1-Tag" begehen.

Aber Moment: "Elter 1" und "Elter 2" - ist das nicht auch schon diskriminierend? Wer ist da die Eins, wer die Zwei? Da ist mir schon lieber das gute alte "Liebe Mutter!" und "Lieber Vater!". Und bitte, liebe Bundesregierung: Österreich muss nicht allen Nonsens mitmachen!

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