Darf Sohn nicht behalten Wien

Wirbel um Baby von Eislady Estibaliz C.

Wirbel um Baby von Eislady Estibaliz C.

Estibaliz C. vertreibt sich die Zeit bis zum Prozess mit Hochzeitsvorbereitungen (© EXPA (www.picturedesk.com))

Estibaliz
Estibaliz C. ist jetzt Mutter

Die frühere Eissalon-Besitzerin, die als mutmaßliche Doppelmörderin seit Juni 2011 in der Justizanstalt Josefstadt in U-Haft sitzt, hat ihr Kind bekommen. Die 32-Jährige brachte einen gesunden Buben zur Welt. Das Jugendamt hat entschieden, dass das Baby in die Obhut des Vaters übergeben wird. Jetzt hagelt es Kritik an dieser Maßnahme.

Die Geburt fand in der Nacht auf Mittwoch im Wiener Franz Josefs-Spital statt und soll komplikationslos verlaufen sein. Das Baby wird wohl den Namen "Rolando" nach seinem Vater bekommen. Das hatte Esti in einem Brief an den Kindsvater angekündigt.

Gleich nach der Geburt war der Bub aus dem Franz Josefs-Spital in das Prayersche Krankenhaus gebracht worden. Von dort aus wird es in die Obhut des Vaters kommen, wie Herta Staffa, die Sprecherin der MA11, bekanntgab. Diese Entscheidung liege vor allem im Interesse des Kindes, "da beim Vater und seiner Familie stabile Verhältnisse gegeben und langfristige Bezugspersonen gewährleistet sind". Im Hinblick auf eine womöglich sehr lange Haftstrafe, mit der Estibaliz C. bei einer strafrechtlichen Verurteilung rechnen muss, "hat aus unserer Sicht nichts gegen den Vater gesprochen", so Staffa.

Laut Juristen sei eine solche Maßnahme auch deswegen notwendig, da möglicherweise für das Kind "Gefahr in Bezug" bestehe.

"Brutale Maßnahme"

Rotraut Perner
Psychoanalytikerin und Juristin Rotraut Perner
Harte Kritik an dieser Maßnahme übt jetzt Psychoanalytikerin und Juristin Rotraud Perner im Gespräch mit Heute.at: "Ich finde diese Entscheidung absolut nicht richtig. Ein Baby, das monaetlang im Bauch der Mutter war, braucht Monate, um sich an eine fremde Person zu gewöhnen", begründet die Expertin ihre Ansicht. Perner bezeichnet die Entscheidung als "absoluten Wahnsinn" und "herzlos". "Es geht gegen die Wissenschaft, das Kind von der Mutter zu trennen".

Sollte das Jugendamt der Meinung sein, dass die Mutter eine Gefahr für das Kind darstelle, sei unverzüglich eine Untersuchung über den Geisteszustand der Frau anzuordnen, so Perner weiter. Denn: "Nur auf Verdacht darf man kein Kind von seiner Mutter trennen".

Auch von anderen Juristen hagelt es Kritik: Die Maßnahme widerspreche § 8 der Menschenrechtskonvention, das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens.

Kind zu früh geboren
Die Mutter bleibt vorerst im Spital. Laut Anstaltsleiterin Helene Pigl werde die Eislady erst dann wieder in ihre Zelle zurückkommen, wenn es für die behandelnden Ärzte medizinisch vertretbar ist.

An sich wäre mit der Geburt erst Ende Jänner zu rechnen gewesen. Als zwei Wochen vor dem offiziellen Termin bei der Frau die Wehen einsetzten, wurde Esti vor Mitternacht von ihrer Zelle ins Spital gebracht, da das Landesgerichtliche Gefangenenhaus keine Geburtenstation besitzt.

Heirat hinter Gittern
Die ehemalige Eissalon-Besitzerin will zudem im Gefängnis heiraten: Die 32-Jährige brachte ein entsprechendes Ansuchen ein, sagte der stellvertretender Leiter der Vollzugsdirektion, Peter Prechtl. Die für eine Trauung notwendige Genehmigung der Staatsanwaltschaft Wien sei aber noch ausständig. „Sie liegt definitiv noch nicht vor“, betonte er.

Die Hochzeit zwischen der Verdächtigen und dem Vater ihres Kindes, ihrem aktuellen Lebensgefährten, wird standesamtlich sein und in der „Vernehmungszone“ der Justizanstalt Josefstadt stattfinden. Eine Trauung in der hauseigenen Kapelle der Justizanstalt, von der die „Kronen Zeitung“ in ihrer Mittwoch-Ausgabe schreibt, wird es laut Prechtl definitiv nicht geben.

Noch kein Prozesstermin
Wann der Mordprozess gegen die Frau beginnt, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Anklage ist noch nicht fertig, sagte Behördensprecherin Michaela Schnell auf Anfrage von wien.ORF.at.

Die Frau steht im Verdacht, ihren Ex-Mann und einen ehemaligen Freund ermordet und im Keller unter ihrem Eissalon in Meidling eingemauert zu haben. Als die Toten Anfang Juni zufällig gefunden wurden, setzte sich die gebürtige Spanierin kurzzeitig nach Italien ab und wurde in Udine festgenommen - mehr dazu in Chronologie: Leichen im Keller.


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4 Kommentare
Whattheduck Newcomer (1)

Antworten Link Melden 0 am 12.01.2012 19:55

völlig richtig ihr das kind wegzunehmen. schließlich ist sie eine mörderin, und hat noch dazu in den briefen, die sie ihrem verlobten aus dem gefängnis geschrieben hat, zugegeben, dass sie eine geistige störung hat!! das baby wäre in großer gefahr bei ihr!
und sowieso soll diese mörderin jetzt ihre strafe bekommen, und da sollte auch dazugehören, dass sie ihr kind nicht aufziehen darf.

und vonwegen ""Ein Baby, das monaetlang im Bauch der Mutter war, braucht Monate, um sich an eine fremde Person zu gewöhnen"" bei kindern die zur adoption freigegeben werden ist das auch so, dass sie sich an jemand anderen gewöhnen müsen, und regt sich da jemand auf?

Echt zum kotzen, dass darüber überhaupt diskutiert wird ob es richig war, ihr das kind wegzunehmen.

Chris69 Newcomer (1)

Antworten Link Melden 0 am 11.01.2012 20:42

Das, das "Kind zur Mutter gehört" ist nur der erste Schritt.
Danach kommt Schritt 2: "Nein, nein, natürlich darf die Frau nicht im Knast bleiben, schließlich ist sie Mutter(!) und dem Kind(!) kann man das nicht zumuten..."
Wäre der Vater des Kindes eines der Opfer der Dame, fölge dann noch Schritt 3. "Natürlich müssen die Verwandten des Opfers der Mörderin Unterhalt zahlen, schließlich ist sie Mutter und was kann schließlich das Kind dafür..."
Paranoid?
Dann googlt mal, was mit Frauen passiert, die minderjährigen, männlichen Schutzbefohlenen ein Kind machen.

samy1977 Routinier (47)

Antworten Link Melden 0 am 11.01.2012 19:24

Ein Kind gehört nicht in die Zelle, es gibt ja noch den Vater - und er möchte sich ja um sein Kind kümmern. Wo liegt da jetzt ein Problem?
Und die Menschenrechte, von wegen ein Kind gehört zur Mutter - glaube ich sind in diesem Fall eindeutig FEHL am Platz, denn immerhin reden wir nicht von einer Diebin - sondern von einer Mörderin!?
Wo waren die Menschenrechte der beiden Opfer? Wo waren da die Menschenrechtsfreunde??

samy1977 Routinier (47)

Antworten Link Melden 0 am 11.01.2012 19:19

Jetzt wirds aber heftig! Kinder sind ab 14 Strafmündig aber ein Neugeborenes soll im Gefängnis bei der Mutter bleiben? Bei einer MÖRDERIN? Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein - ein Kind hat im Gefängnis nichts zu suchen. Das es zu Pflegeeltern kommt finde ich aber auch nicht korrekt, denn es gibt ja noch den Vater, der für den Zwerg sorgen will! Schön, dass immer alle auf die Menschenrechte herumreiten von wegen Kind gehört zur Mutter. Wo bitte waren die Menschenrechtler, wie die beiden Männer ermordet wurden? Hatten sie keine Rechte???

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