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01.03.2012
Prozess um Skandal-Mediziner
Wiener Arzt gesteht pädophile Neigungen
(© Andy Dean Photography (21222279))
Der Prozess gegen einen im Salzkammergut lebenden Wiener Arzt begann am Donnerstag unter großem Medienrummel. Er muss sich wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen sowie eines Autoritätsverhältnisses und der pornografischen Darstellung Minderjähriger im Landesgericht Wels verantworten.
Arzt berührte Buben auf Ferienlager unsittlich
Der derzeit suspendierte Mediziner erschien mit Hut und Sonnenbrille vor Gericht, hielt sich auch einen Aktenordner vor das Gesicht. Ihm wird vorgeworfen, im August 2009 bei einem von ihm veranstalteten Ferienlager in Italien einem Achtjährigen in die Pyjamahose und an den Penis gegriffen zu haben. Der Mann soll den Kindern Gruselgeschichten erzählt haben, damit sie dann in seinem Bett Schutz suchen. So sei auch der Übergriff passiert.
Sein Verteidiger sprach von einer flüchtigen Berührung, und dass sein Mandant die Hand gleich zurückgezogen hätte. Laut der Anwältin des Buben - er ist zwei Mal kontradiktorisch einvernommen worden - habe der damals Achtjährige hingegen dem Arzt zweimal mitgeteilt, dass er das nicht wolle. “Der Bub wollte einfach kuscheln”, meinte der Verteidiger.
Pornografische Fotos
Der Arzt gab aber zu, von fünf- bis zwölfjährigen Buben, mit denen er in Italien, Frankreich und Österreich Urlaub machte, pornografische Fotos angefertigt zu haben. Laut seinem Anwalt habe der Mediziner eine bestimmte pädophile Neigung. Deshalb habe er Schnappschüsse in entsprechenden Stellungen gemacht. Auch soll er die Kinder in eindeutige Posen dirigiert und dann abgedrückt haben. Dafür seien die Buben mit fünf Euro belohnt worden.
Bei einer Hausdurchsuchung wurden etwa 2.000 Bilder gefunden, die der Beschuldigte von 2004 bis 2011 abgespeichert und besessen haben soll, 80 davon mit pornografischem Inhalt. In der Praxis des Angeklagten im Salzkammergut sei es entgegen Medienberichten nie zu Übergriffen oder solchen Bildern gekommen, sagte der Verteidiger. Sein Mandant sei arbeitslos, da er von der Ärztekammer vorübergehend suspendiert worden sei. Die Berichte hätten ihn wirtschaftlich und in der Öffentlichkeit zerstört. Der Arzt, dem der Missbrauch angelastet wird, war Mitte Juni 2011 für rund zwei Monate in Untersuchungshaft genommen worden.
Der Prozess ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Einholung eines psychologischen Gutachtens des Opfers und die Einvernahme zweier Ermittlungsbeamte.
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