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12.07.2012

Mit heißem Wasser überschüttet

Mörder (72) rächt sich im Gefängnis an Zeugen

Justizanstalt Josefstadt

(© APA)

Filmreif: Ein Zeuge, der in einem Mordprozess ausgesagt hatte, ist als er selbst in U-Haft genommen wurde, genau in der Zelle des Täters gelandet, den er hinter Gitter gebracht hatte. Mit den Worten "Das ist Schicksal" begrüßte der 72-jährige Samad A. den Zeugen - und übergoss in wenige Tage später mit heißem Wasser. Der wegen Mordes nicht rechtskräftig Verurteilte stand deshalb am Donnerstag erneut vor Gericht.

Samad A. war im Vorjahr nach einem Blutbad in der Wiener Innenstadt wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am Donnerstag ging es Straflandesgericht "nur" um absichtliche schwere Körperverletzung: Der 72-Jährige soll am 28. Dezember 2011 in seiner Einzelzelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt einen Mitgefangenem mit heißem Wasser übergossen und mit der heimtückischen Attacke 15 Prozent der Körperoberfläche des Mannes verbrüht haben.

Begrüßung: "Das ist Schicksal"
Das Opfer hatte im Verfahren gegen den 72-Jährigen ausgesagt, der am 22. Juli 2010 in einem Büro in der Weihburggasse drei Männer niedergeschossen und dabei einen vorsätzlich getötet hatte. Der Zeuge, der sich vor dem gebürtigen Perser sehr fürchtete, welcher bereits 1986 wegen Drogenhandels in groß angelegtem Stil zu 14 Jahren verurteilt worden war, kam ins Zeugenschutzprogramm. Doch als er am 17. Dezember 2011 selbst in U-Haft landete, begegnete er ausgerechnet im Gefängnis wieder Samad A. Mit den Worten "Das ist Schicksal" soll ihn dieser begrüßt haben.

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Nach einigen Tagen in U-Haft hatte das spätere, ebenfalls aus Persien stammende Opfer das Gefühl, Samad A. habe ihm seine Aussage "verziehen". Er suchte daher den 72-Jährigen, der recht gute Deutschkenntnisse hat, in dessen Zelle auf, um diesen einen Brief ins Deutsche übersetzen zu lassen.

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70 Grad heißes Wasser landete auf Kopf des Zeugen
Nachdem er sich hingesetzt hatte, soll ihn Samad A. abgelenkt und ihm den Inhalt eines Topfs, in dem sich 70 Grad heißes Wasser befand, über den Kopf geleert haben. Justizwachebeamte hörten die Schmerzensschreie. Zwei Beamte liefen in die Zelle, einer brachte den Verbrühten sofort in einen Duschraum und stellte ihn für zehn Minuten unter kaltes Wasser.

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Samad A.: "Wollte mir zeigen, wie sehr er sich für mich opfert"
Vor Richterin Irene Mann behauptete der 72-Jährige nun, der Mann habe sich selbst mit der Flüssigkeit übergossen. Er habe "keinen Groll" gegen diesen mehr gehabt, habe ihm vielmehr in seiner Zelle "Kaviar, den ich für Weihnachten gekauft habe" aufwarten wollen. Dann sei er kurz aufs WC gegangen: "Als ich zurückgekommen bin, habe ich es schon zischen gehört." Sein Besucher habe den Topf von der Elektroplatte genommen: "Ich bin der Meinung, er wollte mir zeigen, wie sehr er sich für mich opfert."

Der Prozess gegen Samad A. förderte auch interessante Einblicke in den Strafvollzug zutage. So empfing der 72-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt wegen Mordes bereits in erster Instanz lebenslang kassiert hatte, in seiner Einzelzelle untertags regelmäßig Besuch von anderen U-Häftlingen von zweifelhafter Prominenz.

Bestialisch ermordet und zerstückelt
Zu seinen Stammgästen zählten etwa Philipp K. (23), der in seiner Hietzinger Wohnung seine Ex-Freundin, die Studentin Steffi P., bestialisch ermordet und zerstückelt hatte, und Suleyman D., einer der Täter im Fall des auf offener Straße erschossenen tschetschenischen Asylwerbers Umar Israilov. Beide sagten nun als Zeugen zugunsten von Samad A. aus.

Suleyman D., wegen Beteiligung am Israilov-Mord mittlerweile rechtskräftig zu 19 Jahren Haft abgeurteilt, bezeichnete den Mann, den Samad A. mit heißem Wasser übergossen haben soll, als wenig glaubwürdig. Dieser sei "psychisch krank". Auch Philipp K. machte deutlich, dass seiner Ansicht nach die Darstellung des Angeklagten stimme, den er "als netten Menschen" kennengelernt habe.

"Er hat auch für mich gekocht"
"Er hat mir in der U-Haft Halt gegeben, weil er mehr Erfahrungen hatte als ich. Ich war oft bei ihm. Er hat mich täglich eingeladen, ich war fast jeden Tag auf einen Kaffee bei ihm. Er hat auch für mich gekocht", schilderte der vormalige Jus-Student Philipp K. Mittlerweile ist er rechtskräftig zu lebenslanger Haft und Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt und im Hochsicherheitstrakt der Strafvollzugsanstalt Stein untergebracht.

Der Prozess gegen Samad A. wurde auf Ende August vertagt.

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