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16.08.2012

Fall Rebasso

Wiener Top-Anwalt erwürgt oder erdrosselt

Erich Rebasso Leiche

Erich Rebasso wurde am 27. Juli entführt, nun wurde seine Leiche gefunden (© Polizei/APA)

In einem Waldstück bei Königstetten in Niederösterreich ist Donnerstagvormittag die Leiche des entführten Wiener Wirtschaftsanwalts Erich Rebasso gefunden worden. Er wurde erwürgt oder erdrosselt.

Einsatzfahrzeuge der Polizei an der Straße in deren Nähe im Wald die Leiche gefunden wurde

Einsatzfahrzeuge der Polizei an der Straße in deren Nähe im Wald die Leiche gefunden wurde (© HERBERT PFARRHOFER (APA))

Der vergrabene Tote wurde zufällig von einem Jäger entdeckt, berichtete die Polizei. Durch einen DNA-Abgleich wurde eindeutig festgestellt, dass es sich um den verschwundenen Rebasso handelt. Laut Obduktion wurde der Anwalt erwürgt oder erdrosselt. "Aufgrund der Beschaffenheit des Körpers kann man davon ausgehen, dass der Todeszeitpunkt schon geraume Zeit zurück liegt", hieß es am Freitag.

Die beiden Tatverdächtigen, ein 31- sowie ein 35-jähriger Mann, die aus einem Dorf "weit außerhalb von Moskau" stammen, dürften bereits vor der Entführung aus der Innenstadtgarage gewusst haben, dass Rebasso in der Nähe des späteren Fundorts seiner Leiche gewohnt hat. "Im Haus selbst waren sie aber nicht", sagte Polizei-Sprecher Roman Hahslinger.

Es scheint, als hätten die zwei Russen den Wohnort Rebassos zuerst ausgekundschaftet, den Anwalt dann ermordet und anschließend die Leiche nur deshalb in dem Waldstück bei Königstetten vergraben haben, weil sie mit der Gegend bereits einigermaßen vertraut gewesen sind.

Täter waren um Geld geprellte Anleger
Dass es sich um einen Auftragsmord handelte, sei auszuschließen, so Hahslinger. Die Männer wurden von russischen und österreichischen Kriminalisten verhört. Sie zählten demnach zum Kreis jener Anleger, die um hohe Geldsummen geprellt worden waren. Rebasso hatte zwar immer beteuert, mit den Betrugsfällen nichts zu tun zu haben, und erstattete diesbezüglich sogar Selbstanzeige - geglaubt dürften die Männer die Unschuldsbekundungen des Anwalts allerdings nicht haben. Die Ermittler gingen von Beginn an davon aus, dass sich die Hintergründe der Tat in Russland abgespielt haben.

Am Freitag wurden die zwei Verdächtigen ins gerichtliche Gefangenenhaus in Moskau überstellt. Dort hat der zuständige Untersuchungsrichter abermals 48 Stunden Zeit, um eine etwaige U-Haft zu verhängen. Seitens des Bundeskriminalamtes (BK) ist im Moment nicht geplant, einen Beamten nach Moskau zu schicken, sagte BK-Sprecher Mario Hejl am Freitag. Als Verbindungsmann mit permanentem Wohnsitz in der russischen Hauptstadt stünde derzeit der Attachee zur Verfügung.

Auslieferung scheint unmöglich
Eine Auslieferung der beiden Männer scheint allerdings unmöglich, denn eine Überstellung russischer Staatsangehöriger aus Russland nach Österreich ist laut Justizministerium ausgeschlossen. Artikel 6 des Europäischen Auslieferungsübereinkommens vom 13.12.1957 sehe nämlich vor, dass jeder Vertragsstaat die Auslieferung eigener Staatsbürger ablehnen kann. Russland habe dementsprechend dazu die Erklärung abgegeben, dass Artikel 61 (Teil I) der russischen Verfassung eine Auslieferung eigener Staatsangehöriger verbiete, so eine Sprecherin des Ministeriums.

Tagelange, fieberhafte Suche
Seit dem 27. Juli wurde fieberhaft nach dem Anwalt gesucht. Er dürfte von den zwei Männern in einer Tiefgarage am Georg-Coch-Platz in der Wiener Innenstadt überwältigt worden und entführt worden sein, als er auf dem Weg zu einem Außentermin war. Auf Aufnahmen aus einer Überwachungskamera ist zu sehen, wie ein fremder Mann zunächst mit Rebassos Mercedes und danach ein weiterer Mann mit einem Mietwagen aus der Garage fährt. Der Mercedes wurde vier Tage später auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums gefunden, der Mietwagen der Leihfirma zurückgebracht. In beiden Fahrzeugen wird Blut des Anwalts gefunden.

Polizeibeamte am Fundort der Leiche

Polizeibeamte am Fundort der Leiche (© HERBERT PFARRHOFER (APA))

In der Zwischenzeit ging bei der Familie Rebasso auch eine Lösegeldforderung ein. Die via E-Mail übermittelte Lösegeldforderung stammte jedoch nicht von den beiden Festgenommenen persönlich, man gehe aber davon aus, dass sie von Hintermännern versandt wurde. "Von wem, weiß man noch nicht definitiv, aber es gibt Spuren und Vermutungen", hielt sich Polizei-Sprecher Roman Hahslinger bedeckt.

Lesen Sie weiter: So wurde die Leiche gefunden

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