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09.10.2012

Geld war egal

Elisabeth W. war "ausgehungert nach Liebe"

Lotfi D.

Der Angeklagte, der Elisabeth W., in ihrer Wohnung erdrosselt haben soll. (© AFP)

Mit der Einvernahme des angeklagten 27-jährigen Tunesiers ist am Dienstag, 9. Oktober, im Wiener Straflandesgericht der Prozess um die in ihrer Innenstadt-Wohnung erdrosselte Elisabeth W. fortgesetzt worden. Lotfi D., dem Raubmord angelastet wird, plädierte abermals auf unschuldig und lieferte detailreich seine Version jener Nacht. Doch auch die Mutter des Mordopfers kam zu Wort. Urteil folgt.

Zuerst kam Lotfi zu Wort. Dieser erklärte, dass er es sicher nicht auf ihr Vermögen abgesehen hätte. Der 27-Jährige beteuerte: "Über Geld haben wir nie gesprochen. Sie hat nur gesagt, sie wolle mir helfen und mir beistehen."

Befragung der Anwesenden
Nach einer Pause, wurde die Mutter des Opfers, Brigitta W. (74), befragt. Diese meinte, dass ihre Tochter normalerweise nie Fremde in die Wohnung ließe, aber auch, dass Elisabeth W. nach einer gescheiterten langjährigen Beziehung sehr einsam und: "ausgehungert nach Liebe und Zärtlichkeit" war.

Pedantischer Mensch
Die schwer herzkranke Frau beschrieb ihre ermordete Tochter als überaus "pedantischen" Menschen, der nicht nur sehr viel Wert auf teures Gewand und kostbaren Schmuck, sondern auch auf Sauberkeit und Ordnung gelegt habe. Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 2007 seien sie, Brigitta W. und Elisabeth auch beste Freundinnen geworden und hätten sich "alles erzählt".

Die Männer
Von etlichen sexuellen Beziehungen zu Männern, wie der Verteidiger von Lotfi D., Farid Rifaat, der Frau vorhielt, habe sie allerdings nichts gewusst. "Das ist doch alles Blödsinn", so Brigitta W. Zu einem gemeinsamen Essen mit dem Angeklagten habe sie ihrer Tochter sogar geraten.

"Damit sie einmal wieder rauskommt. Sie hatte sich ja nach dem Ende einer fünfjährigen Beziehung total zurückgezogen. Es war ihre große Liebe."

Am Abend des Mordes
Noch am Abend vor dem Verbrechen hatte Elisabeth W. ihre Mutter versucht zu erreichen, doch diese habe bereits geschlafen." Erst zwei Tage später hat dann der Ex-Mann von Elisabeth W., der im Besitz eines Wohnungsschlüssels war, wovon die Mutter wusste, die Leiche der 48-Jährigen gefunden.

Einschüchterung
Überaus langwierig gestaltete sich anschließend die Befragung von Hassan R., einem Freund, bei dem der Angeklagte in den frühen Morgenstunden des 15. September 2011 um ein Schlafquartier gebeten hatte. R. gab an, dass ihm Lotfi D. einen Ring und eine Halskette gezeigt habe.

Außerdem soll der 27-Jährige in einer schwarzen Sporttasche mehrere Schmuckbehälter transportiert haben, von denen er behauptet habe, sie einer Frau gestohlen zu haben, mit der er auch Geschlechtsverkehr hatte.

Hassan R. zeigte sich überaus verängstigt und wies daraufhin, dass man ihm seitens des Angeklagten hätte ausrichten lassen, er solle seine Aussagen ändern. "Sonst wird nicht nur meine, sondern auch deine Mutter weinen", so R. im Zeugenstand.

Urteil folgt
Die Verhandlung dauert noch an und wurde mit der Einvernahme von Omar H., einem weiteren Freund des Angeklagten, fortgesetzt.


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