Prozess um Praterstern-Attacke

Vergewaltigungs-Opfer (21): "Ich dachte, ich sterbe dort"

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Drei junge Männer, teilweise noch minderjährig, stehen vor Gericht

Nachdem eine 21-jährige türkische Austauschstudentin am 22. April 2016 am Wiener Praterstern von drei jugendlichen afghanischen Flüchtlingen auf einer Toilette vergewaltigt worden war, wurde ihnen am Dienstag der Prozess gemacht. Die Angeklagten (16, 17 und 18 Jahre alt) bekannten sich zwar schuldig, ließen aber keine Reue erkennen. Schockiert hat die Aussage des Opfers, das die Tat schilderte. Der Prozess wurde aufgrund eines fehlenden Gutachtens vertagt.

Die 21-Jährige war laut ihrer Anwältin eine lebenslustige Frau, die gerne Freunde traf, Theater und Malerei liebte und in Wien Industriedesign und Raumplanung studierte. Seit April sei sie aber gebrochen, "um Jahre gealtert", fühle sich innerlich leer, könne nicht mehr studieren, keine Freunde mehr treffen und nicht mehr schlafen. Ihren Eltern in der Türkei habe sie die Tat aufgrund des gesellschaftlichen Tabus bis heute nicht erzählen können, männliche Freunde hatten ihr zudem Schuldgefühle eingeredet.

Auch die körperlichen Verletzungen schockieren: Blutergüsse am ganzen Körper, Würgemale am Hals, Einblutungen in Schultern und Oberarme sowie Kopfverletzungen, weil ihr Kopf mehrmals brutal gegen die Kloschüssel geschmettert wurde. Damit die Frau ihren Peinigern nicht persönlich gegenübertreten musste, wurde beim Prozess eine Videoaussage eingespielt und ein Brief verlesen.

"Manchmal gibt es Momente, wo ich gar nicht spüre, dass ich noch lebe ... Ich habe nach wie vor große Wut und Hass, aber vor allem Ekel ... Drei Monate konnte ich nicht in den Spiegel schauen. Ich fühle mich wie Restmüll. Ich erinnere mich an die Blicke dieser Männer. Ich habe niemandem etwas getan. Warum werde ich bestraft? ... Meine Lebensfreude ist dahin. Ich bin um Jahre gealtert ... Ich habe die Sekunden gezählt, bis es vorbei ist. Ich dachte, ich sterbe dort."

Die Angeklagten nahmen die Worte regungslos zur Kenntnis, einer gab an, keine Straftat begangen zu haben. Der 16-Jährige gab unumwunden zu: "Die Idee war von mir." Er habe die Kabinentür zur Toilette, in der die 21-Jährige sich befand, mit einer Münze geöffnet, die Frau festgehalten und gewürgt, während sich seine Freunde an ihr vergingen. Dass aber auch er das Opfer vergewaltigte, was er bestritt, wurde durch DNA-Spuren nachgewiesen. Alle drei rechtfertigten sich damit, betrunken gewesen zu sein.

Der Prozess wurde am Dienstag überraschend vertagt, mehr dazu lesen Sie hier.
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