Politik

Darf man sich über den Tod eines Menschen freuen?

Richard Schmitt

Heute-Chefredakteur Wolfgang Ainetter

Wolfgang Ainetter, "Heute": Ja, man darf! Osama bin Laden war der größte Feind unserer westlichen Gesellschaft. Mit Bomben wollte er unsere Werte wie Freiheit und Demokratie zerstören. Sein „Heiliger Krieg“ veränderte die Welt: unvergessen die Flugzeuge, die in das World Trade Center und das Pentagon krachten. Die Menschen, die aus dem 100. Stock sprangen, erstickten oder verbrannten. Die Kinder, die zu Waisen wurden. Der Tod von 3000 unschuldigen Menschen war diesem Massenmörder egal.

Eine aufgeklärte Gesellschaft muss sich vor ihren Feinden schützen. Osamas Tod ist süße Gerechtigkeit – für die Terror-Opfer, für ihre Angehörigen, für die Soldaten, die im Kampf gegen die Al-Kaida gefallen sind.

Wer einen „Heiligen Krieg“ beginnt, muss damit rechnen, dass er erschossen wird. Mitgefühl für einen Menschenfeind ist falsch, heuchlerisch – und kommt nur von Gutmenschen, die niemanden wegen Osama verloren haben.
In diesem Fall darf man sich über den Tod eines Unmenschen freuen.

Michael Landau, Caritas: Nein, ich kann mich über den Tod eines Menschen nicht freuen. Klar, es kann sein, dass die Welt durch den Tod von Bin Laden ein Stück sicherer geworden ist. Aber Freude über die Tötung eines Menschen?

Bei allem Leid, das Menschen verursachen: Selbst ein erwiesener Verbrecher ist ein Mensch! Als Christ kann ich nicht Freude empfinden, wenn ein Mensch getötet wird. Rache befriedigen kann niemals ein christlicher Zugang sein. Ich verstehe durchaus, dass es echte Notwehrsituationen gibt, in denen etwa Polizisten ihre Waffe gebrauchen müssen.

Ich habe Respekt vor dieser sensiblen Aufgabe.Gleichzeitig ist mir unsere österreichische Rechtsordnung sehr viel näher, in der es keine Todesstrafe gibt und erst recht keine gezielte Tötung von Menschen, selbst wenn sie schuldig sind. Jubel liegt mir fern, wenn ein Mensch stirbt. Als Caritas steht für uns fest: Die Würde jedes Menschen ist unteilbar. Freude über den Tod eines Menschen ist würdelos.


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