Große Studie

Das denken die Muslime in Österreich

Kopftuch

In der 2. Generation (in Österreich geboren) sind Frauen "Modernisierungsmotor"

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In der 2. Generation (in Österreich geboren) sind Frauen "Modernisierungsmotor"

Mehr als 500.000 Muslime leben in Österreich. Wie sie über sich, über Österreich, Kopftuch und Demokratie denken, das zeigt erstmals eine Studie im Auftrag von Staatssekretär Sebastian Kurz (VP).


Umfassender hat die Sichtweisen der Muslime niemand untersucht. Zwischen 269 und 1.000 Muslime haben Theologe Paul Zulehner, Meinungsforscher Peter Hajek und Politologe Peter Ulram befragt. "Eine einheitliche Sichtweise aller Muslime gibt es nicht", betont Ulram. Aber: Jene mit bosnischen Wurzeln sind tendenziell moderner als jene mit türkischen Wurzeln.

In der 2. Generation (in Österreich geboren) sind Frauen "Modernisierungsmotor", so Zulehner. Mit ihnen müsse man in der Integrationspolitik kooperieren.

Die Details:
  • Glaube: Neun von zehn Muslimen bezeichnen sich als sehr oder eher gläubig. Jeder Dritte besucht regelmäßig eine Moschee. Während sich 38 % der Österreicher als religiös betrachten, sind es bei Muslimen 73 %, in 2. Generation aber nur mehr rund 60 %.
  • Speisen: 92 % essen kein Schweinefleisch, 77% trinken keinen Alkohol.
  • Sprache: 61 % sind dafür, dass auch auf Deutsch gepredigt wird. Ein Drittel lehnt das kategorisch ab.
  • Österreich: 58 % fühlen sich in Österreich zu Hause. 61 % fühlen sich hier benachteiligt. Jeder Vierte wünscht sich, dass Religion eine größere Rolle spielt.
  • Frauen, Familie, Kopftuch: 87 % sagen, dass beide Elternteile für die Erziehung zuständig sind. 16 % der Männer würden ihrer Frau ein Kopftuch vorschreiben. Für 56 % ist das die freie Entscheidung der Frau. Jede zweite gläubige Türkin trägt immer ein Kopftuch. Die meisten Bosnierinnen tragen es nur zu speziellen Anlässen.
  • Demokratie 90 % der Muslime sehen den Islam als friedliche Religion. In der Mehrheitsgesellschaft sagen das nur 37 %.
  • Tageszeitungen lesen 26 % der Muslime. "Heute" ist mit großem Abstand meistgelesene Zeitung (47 % unter den muslimischen Zeitungslesern). Für Sebastian Kurz sind die Ergebnisse "ein Auftrag, den Dialog weiterzuführen."

    E. Nuler

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