Shitstorm nach Auschwitz-Gedenken

"Heute"-Bericht löst Holocaust-Debatte in Polen aus

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"Auschwitz werden die Deutschen den Juden nie verzeihen", zitiert der deutsch-polnische Publizist Henryk Broder "einen klugen Israeli". Der Gedanke dahinter: Juden seien lebende Denkmäler deutscher Schuld. Das schlechte Gewissen wird auf andere projiziert.

Jahrzehntelang galt das auch für Österreicher: "Wir haben ja nur Befehle ausgeführt", wurde die sogar engagierte Beteiligung an Folter und Massenmord schöngeredet.
In Polen, das im Gegensatz zu Österreich tatsächlich Nazi-Opfer war und wo breiter Widerstand geleistet wurde und mindestens 6.454 Bürger Juden retteten (aus Österreich sind nur 95 bekannt), ist die Aufarbeitung von dunklen Aspekten der Geschichte aber auch kaum möglich, wie ein Shitstorm gegen "Heute" zeigt: Im Bericht über die Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestages der Auschwitz-Befreiung setzten wir den Fokus auf die Rede des KZ-Überlebenden Roman Kent: "Du sollst nicht Mitläufer sein."

Zudem erwähnte Amtsinhaber Komorowski, anders als frühere Präsidenten Polens, die Kollaboration Zehntausender Landsleute nicht. Ein polnisches Medium übersetzte unseren Bericht darüber falsch, titelte: "Österreichische Zeitung: Polen soll Teilnahme am Holocaust gestehen." Blogger und polnische Botschaft in Wien organisierten einen Shitstorm. Hunderte Tweets und Mails kamen.
Die eigene Opferrolle ist vielen wichtiger als die Auseinandersetzung mit der Kollaboration von Polen. Jedwabne 1941, Denunziationen während des Kriegs und in Polen sogar nach dem Krieg durchgeführte Pogrome an Hunderten jüdischen KZ-Überlebenden werden viele Polen den Opfern ihrer Landsleute wohl nie verzeihen.

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