EU-Parlament will Embargo

Saudis überfluten Jemen mit Austro-Sturmgewehren

StG-77 Steyr AUG Jemen

Ein Jemenit stellte Fotos eines fabrikneuen Steyr AUG auf Twitter

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StG-77 Steyr AUG Jemen

Ein Jemenit stellte Fotos eines fabrikneuen Steyr AUG auf Twitter

Österreichischen Rüstungsfirmen ist es nicht erlaubt, Waffen in Krisengebiete zu exportieren. Trotzdem ist der Schwarzmarkt in Jemen mittlerweile mit österreichischen Sturmgewehren vom Typ Steyr AUG derart überflutet, dass die Waffen mittlerweile zu Spottpreisen verschleudert werden. Schuld daran ist Saudi-Arabien. Das EU-Parlament fordert nun ein Waffenembargo.

Das Steyr AUG, das österreichischen Bundesheer-Soldaten unter der Bezeichnung "StG 77" bekannt ist, ist weltweit begehrt. Da das Sturmgewehr strengen Exportauflagen unterliegt, sind die Schwarzmarktpreise dafür üblicherweise relativ hoch. Im Kriegsland Jemen ist das Gewehr jedoch inzwischen so einfach zu haben, dass sie inzwischen zu Schleuderpreisen zu haben sind.

Die Sturmgewehre tauchten zum ersten Mal vor rund sechs Monaten im Jemen auf, wie ein jemenitischer Waffenexperte im Telefoninterview im "Ö1-Mittagsjournal" schilderte. "Anfangs, als sie noch selten waren, musste man für eines der Gewehre rund 10.000 US-Dollar bezahlen. Inzwischen sind sie schon für 2.500 Dollar zu haben", so der Experte. Das entspricht der Preisklasse einer Kalaschnikow AK-47. 

Saudi-Arabien verschenkt StG
Die Flut an Steyr-Sturmgewehren kommt aus Saudi-Arabien. Seit Mitte der 1980er Jahre ist das Gewehr bei den dortigen Streitkräften in Verwendung. Seit die Saudis vergangenes Jahr in den jemenitischen Bürgerkrieg eingegriffen haben, rüsten  sie nicht nur die Truppen des jemenitischen Präsidenten Abd Rabbuh Mansur Hadi gratis mit den österreichischen Waffen aus, sondern werfen diese sogar per Fallschirm in Jemen ab.
Die regierungstreuen Stämme, für die sie bestimmt sind, verkaufen die Waffen aber einfach weiter - an die schiitischen Houthi-Rebellen ebenso wie an die Extremisten von Al-Kaida und dem jemenitischen Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Zahlreiche Twitterer aus dem Jemen dokumentieren die Verbreitung des Sturmgewehrs in sozialen Netzwerken. EU-Parlament fordert Embargo
Das ist ein klarer Verstoß gegen den Importvertrag mit Österreich, der eine Weitergabe - besonders in Krisengebiete - verbietet. Das EU-Parlament fordert nun ein Waffenembargo gegen Saudi-Arabien. "Kein EU-Land soll künftig Waffen nach Saudi-Arabien exportieren. Das muss auch für Österreich gelten", forderte EU-Parlamentarier Eugen Freund (SPÖ) in einer Presseaussendung am Donnerstag.
 
Der Bürgerkrieg im Jemen hat inzwischen 8.000 zivile Todesopfer gefordert. Seit dem vergangenen Jahr führt eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition einen Luft- und Bodenkrieg gegen die schiitischen Houthi-Rebellen.

Weil die Bodenoffensive der saudischen Truppen von den Rebellen komplett zurückgeschlagen wurde, bombardiert das saudische Königreich die von den Houthis besetzten Gebiete. Die Lufwaffe nimmt dabei keine Rücksicht auf zivile Opfer und zerstört die Infrastruktur ebenso wie Krankenhäuser.
 
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Orte: Jemen Arabien

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