Heute-Interview Politik

Herr Botschafter, haben Sie Korruption erlebt?

Simon Smith

Botschafter Smith im <>Heute-Newsroom

Simon Smith

Botschafter Smith im <>Heute-Newsroom

Er spricht fließend Japanisch und Russisch. Im Heute-Newsroom überrascht Simon Smith (54) auch mit perfektem Deutsch. Im Gespräch mit Isabella Martens und Erich Nuler spricht der Botschafter des Vereinigten Königreichs über Vorurteile gegenüber Diplomaten, er vergleicht Sparpakete und kritisiert das Atomprogramm des Iran.


"Heute": Muss man Pazifist sein, um Botschafter zu werden?
Smith: "Nein, man muss nicht. Es ist zwar wichtig, alles zu tun, um Probleme friedlich zu lösen. Wir schließen aber etwa im Fall des Iran keine Option aus. Das heißt nicht, dass man eine militärische Lösung vorzieht."

Sagen Sie eigentlich jemals Ihre eigene Meinung?
"Sehr oft sogar. Viele glauben, diplomatisch zu sein bedeutet, die Wahrheit nicht oder nur indirekt auszudrücken. Das wäre aber ein Hindernis für die Arbeit eines Botschafters. Auf der anderen Seite ist meine Aufgabe, die Vorgehensweise der britischen Regierung zu erklären. Kollegen aus anderen Staaten interessiert die Position Londons, nicht meine persönliche Einschätzung."

Die britische Regierung will in fünf Jahren 137 Milliarden € einsparen. Bei uns geht’s um 27 Milliarden. Das ist lächerlich, oder?
"Überhaupt nicht. Für jede Regierung ist es derzeit eine große Herausforderung, die Fiskalpolitik radikal zu ändern…"

… das ist sehr diplomatisch.
"Nein. Man könnte sogar sagen, dass es in Österreich schwieriger war als in Großbritannien.In London ist 2010 ja eine neue Regierung angetreten, in Wien wurde die Große Koalition fortgesetzt. Ich verstehe aber auch die Kritiker. Vielleicht wurde in Österreich eine Gelegenheit für radikalere Reformen versäumt.Von Vertretern der österreichischen Industrie höre ich oft das Argument: 'Wozu braucht man in einem so kleinen Land ein System mit neun Bundesländern?'"

Zum Korruptions-U-Ausschuss: Wie finden Sie es, dass die Politik jahrelang korrumpiert wurde?
"Korruption gibt es überall. Entscheidend ist,wie man damit umgeht. Da geht es um die Glaubwürdigkeit der Demokratie."

Haben Sie Korruption erlebt?
"Nein, nicht persönlich."

Sie vertreten London in der Atom-Behörde der UNO. Baut der Iran die Atombombe?
"Auf Basis der vorliegenden Informationen: Ich habe keinen Zweifel daran, dass das Atomprogramm eine militärische Dimension hat und nicht nur auf zivile Zwecke ausgerichtet ist."


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