Von Polizei aufgehalten Politik

Demonstranten wollten "Totengedenken" stürmen

TOTENGEDENKEN DER BURSCHENSCHAFTER: GEGENDEMO

Am Heldenplatz kam es fast zu Zusammenstößen - die Polizei verhinderte Schlimmeres

TOTENGEDENKEN DER BURSCHENSCHAFTER: GEGENDEMO

Am Heldenplatz kam es fast zu Zusammenstößen - die Polizei verhinderte Schlimmeres

Lautstark, aber ohne gröbere Zwischenfälle ist die Demonstration gegen das alljährliche "Totengedenken" der Burschenschafter am 8. Mai auf dem Heldenplatz verlaufen. Rund 1.200 Personen protestierten gegen die Veranstaltung vor der Krypta anlässlich der Kapitulation des NS-Regimes, einige versuchten, die Polizeiabsperrung zu durchbrechen.

Unter den rund 200 Burschenschaftern fand sich im Gegensatz zu den vergangenen Jahren kaum FPÖ-Prominenz. Wie jedes Jahr hatte der Zug der Verbindungsmitglieder auf der Mölkerbastei in der Inneren Stadt begonnen. Zuvor hatten mehrere Organisationen zu einer Demonstration vor der Universität Wien aufgerufen. Lange vor dem Eintreffen der Burschenschafter zog die Gruppe allerdings in Richtung Heldenplatz, wo eine Feier anlässlich der Befreiung Österreichs bereits im Laufen war.

Einziger aktiver FPÖ-Politiker unter den Verbindungsmitgliedern war der Wiener Landtagsabgeordnete Wolfgang Jung. Mit einem großen Polizeiaufgebot zog der Fackelzug der Burschenschafter durch die teils gesperrte Wiener Innenstadt bis zur Krypta auf dem Heldenplatz. Dort wurde man bereits lautstark von den rund 1.200 Demonstranten (laut Polizeiangaben) erwartet.

Festredner aufgehalten
Probleme organisatorischer Natur hatte es zuvor gegeben: Weil der Festredner der Burschenschafter mit seinem Auto im Stau stecken geblieben war, musste er direkt zum Heldenplatz fahren. Bei der Reiterstatue angekommen, erkannte ihn die Polizei dem Vernehmen nach nicht und ließ ihn vorerst nicht zum Heldentor, wo er seine Rede halten wollte. Seine Kameraden wurden währenddessen beim Start ihres Marsches mit einer besonderen künstlerischen Aktion unterhalten: Gegendemonstranten, die sich als Clowns in Uniform verkleidet hatten, betrauerten vor den Burschenschaftern den "Tod eines Kameraden".

Während der Rede auf dem Heldenplatz kam es zwar zu lautstarken Störversuchen der Veranstaltung, etwa durch Knallkörper, von wirklichen Vorfällen konnte die Polizei allerdings nicht berichten. Einige Demonstranten versuchten erfolglos Absperrungen zu durchbrechen. Nachdem die Verbindungsbrüder abgezogen waren, löste sich allerdings auch das Fest auf dem Heldenplatz schlagartig auf.



Vorbericht:
Der 8. Mai 1945 bedeutete die Kapitulation Nazi-Deutschlands. Das "Totengedenken" verwandelt die Wiener Innenstadt in eine Hochsicherheitszone. Während rechte Gruppierungen den Toten und Opfer "die Ehre erweisen" möchten, finden linke Gegenveranstaltungen statt. Heftige Ausschreitungen werden befürchtet.


+++ Nazi-Relikt in Burgtor versteckt? +++

Seit 16 Uhr sind Teile des Heldenplatzes gesperrt, seit 16.30 Uhr ist ein Platzverbot in weiten Teilen der Innenstadt in Kraft - dazu zählen Mölker Bastei, Teinfaltstraße, Bankgasse, Landhausgasse, Minoritenplatz und Ballhausplatz. Grund für die Sicherheitsmaßnahmen ist das "Totengedenken des Wiener Korporationsringes". Eine Kundgebung zieht vom der Mölker Bastei zum Heldenplatz, dort wird vor Krypta ein Kranz niedergelegt.

 +++ Polizei rüstet sich für Ausschreitungen +++ 

Die Polizei befürchtet, dass es zu Ausschreitungen kommt. Das auch deswegen, weil es eine Reihe von Gegenveranstaltungen gibt. Im nicht abgesperrten Bereich des Heldenplatzes vor der Neuen Hofburg demonstrieren Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), der Stadt Wien und der Grünen seit 17 Uhr gegen das Totengedenken. Eine weitere Gegendemo startete bei der Universität, ebenfalls mit dem Ziel Heldenplatz.

+++ Protest gegen Totengedenken +++

Die Stimmung ist aufgeladen, auch am Fest zur Gegendemonstration am Heldenplatz. Neben mehreren Vertretern der Grünen erschienen auch Staatssekretär Josef Ostermayer (S) und SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), wünschte sich, dass ab kommendem Jahr der gesamte Heldenplatz für ein derartiges Fest zur Verfügung stünde.

Der Andrang zur Feier, welche die Initiative "jetztzeichensetzen.at" organisiert hatte, war zu Beginn noch spärlich. Rund 500 Personen hatten sich bei der Hofburg eingefunden. Allerdings strömten immer mehr Gäste auf den abgesperrten Teil des Heldenplatzes. Auf einer kleinen Bühne traten mehrere Redner auf, darunter der Klubobmann der Wiener Grünen, David Ellensohn, der Wiener SPÖ-Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny sowie IKG-Präsident Deutsch. Unter den Besuchern befand sich weiters ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser. Ebenso vertreten waren Mitglieder der Jungen Generation und mehrere NGOs.

Burschenschafter soll Platz streitig gemacht werden
"Ich würde mir wünschen, dass der gesamte Heldenplatz voll ist", sagte Deutsch vor seiner Ansprache. Er schlug vor, dass ab kommendem Jahr die Veranstaltung auf das gesamte Areal ausgedehnt werde. So sei kein Platz mehr für die Veranstaltung der Burschenschafter vor der Krypta auf dem Heldenplatz. "Wer heute nicht feiert, hat verloren", begann Ellensohn seine Rede zu Beginn der Veranstaltung.

"Hier war der Krieg zu Ende, und das ist ein Grund zu feiern." Wie Deutsch äußerte auch der Wiener Grüne einen Wunsch an die Regierenden: "Wir sollten diskutieren, ob wir nicht diesen Tag zu einem offiziellen Feiertag machen." Ein Demonstrationszug, der vor der Wiener Universität loszog, sorgte dafür, dass das Fest am Heldenplatz letztendlich doch noch gut besucht war. Von Zwischenfällen war vorerst nichts bekannt.

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