Faymann im Sommergespräch Politik

"Habe beim Studium vieles nicht fertig gemacht"

"Habe beim Studium vieles nicht fertig gemacht"

Werner Faymann sprach über seinen Lebenslauf und die Wehrpflicht (© ORF)

Werner Faymann im Sommergespräch
Werner Faymann sprach über seinen Lebenslauf und die Wehrpflicht
Als letzter Vertreter der österreichischen Parlamentsparteien stellte sich Bundeskanzler Werner Faymann den Fragen von Armin Wolf im Sommergespräch. Hauptthemen waren die Wehrpflicht, die Euro-Krise und der Lebenslauf des SPÖ-Chefs.

In entspannter Atmosphäre im Gartenhotel Altmannsdorf kam es teilweise zu einer hitzigen Diskussion. Gleich zum Einstieg konfrontierte Wolf sein Gegenüber mit dessen Lebenslauf. Darin steht, dass Faymann Jus studiert hat. Wie der ORF recherchierte, absolvierte der Bundeskanzler aber keine einzige Prüfung.

Der SPÖ-Politiker druckste ein wenig herum und gab zu Protokoll: "Ich gehöre nicht zu jenen, die sich mit Titel schmücken, ich habe einiges inskribiert, vieles nicht fertig gemacht. Das gebe ich ehrlich zu." Wolf ließ aber nicht locker und zog Vergleiche zu Martin Graf, der fälschlicherweise angab, Rechtsanwalt zu sein. "Da besteht ein großer Unterschied", rechtfertigte sich der Bundeskanzler, ohne diesen genau zu erörtern.

Faymann steht zu Darabos
Werner Faymann und Armin Wolf
Wolf stellte Faymann teils unangenehme Fragen
Neben der Inseratenaffäre ("Ich habe es nicht nötig, zu etwas Stellung zu nehmen, wo es keine Anklage gibt. Zu inserieren und zu werben macht jede gute Firma.") war die Wehrpflicht großes Thema. Faymann verteidigte die SPÖ-Linie für ein Berufsheer. Sollte bei der Volksbefragung eine Mehrheit für die Beibehaltung der Wehrpflicht sein, sehe er keinen Rücktrittsgrund für Verteidigungsminister Norbert Darabos.

"Jemand der höher ist als das Volk gibt es nicht. Die Entscheidung der Volksbefragung ist zu respektieren. Ich kann mich ja nicht gegen den Willen des Volkes stellen, nur weil ich vielleicht anderer Meinung bin. Ein Minister hat zu machen, was das Volk entscheidet", so Faymann. Weiterhin skeptisch steht der SPÖ-Chef Studiengebühren gegenüber, auch wenn mittlerweile Parteifreunde diese fordern.

Die Euro-Krise wurde zum Schluss auch noch kurz angeschnitten. "Es kann Österreich aber am allermeisten Kosten, wenn der Euro nicht mehr funktioniert. Unsere Währung darf nicht einbrechen. Wir sichern Arbeitsplätze. Das bringt uns ein Vielfaches an Einkünften", verteidigte Faymann den Euro-Rettungsschirm.

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

ORF-LIVE-Sommergespräch mit dem SPÖ-Chef und Bundeskanzler im Gartenhotel Altmannsdorf.

Das waren die Sommergespräche 2012. Bis bald!

Zum Abschluss viele Tiere rund um Faymann und Wolf. Faymann dazu: "Ich würde sie beschützen Herr Wolf, wenn die Tiere noch größer werden."

Stronach: "Lassen wir es in aller Gelassenheit an uns herankommen, ob er antritt und wer ihn wählt und wer mit wem regieren wird."

Griechenland: "Wenn das Land vom richtigen Weg abkommt, die Menschen weiter nicht ausreichend Steuern bezahlen. Erst wenn Bedngungen nicht mehr erfüllt werden, wird kein Geld mehr fließen. Man muss alles dafür tun, die Griechen zu ermuntern, die Bedingungen zu erfüllen."

Thema EU: "Die EZB hat beschlossen, kein Limit zu vereinbaren. Es kann Österreich aber am allermeisten Kosten, wenn der Euro nicht mehr funktioniert. Unsere Währung darf nicht einbrechen. Wir sichern Arbeitsplätze. Das bringt uns ein vielfaches an Einkünften. Der ESM ist dazu da, am Ende mehr Vor- als Nachteile zu haben. Unsere Chance ist der Markt, von dem wir leben. Dafür brauchen wir einen starken EURO."

Studiengebühren: "Es gibt kein Modell, dass den Unis ausreichend Geld zur Verfügung stellt. Ich beteilige mich an jeder Diskussion. Ich kann mich aber nicht damit anfreunden, dass Studiengebühren voll ins Stipendiensystem fließen."

Faymann: "Ich finde es traurig, dass wir nicht über das wichtige Thema Arbeit reden."

"Jemand der höher ist als das Volk gibt es nicht. Die Entscheidung der Volksbefragung ist zu respektieren. Ich kann mich ja nicht gegen den Willen des Volkes stellen, nur weil ich vielleicht anderer Meinung bin. Ein Minister hat zu machen, was das Volk entscheidet."

Wehrpflicht: "Die Umstellung hat auch in Deutschland funktioniert. Die Rahmenbedingungen müssen passen. Ich sage ja auch nicht, dass wir uns Geld sparen. Interne Diskussionen über diverse Themen gibt es oft viel länger, als es dann aussieht, wenn es öffentlich wird."

"Ich habe mich von Anfang an an dem Diskussionsprozess beteiligt. Immer mehr Länder in Europa stellen auf ein Berufsheer um. Das Bundesheer muss professionell aufgestellt sein, um für die Aufgaben gerüstet zu sein, die sich in dieser Zeit stellen. Wie organisieren wir den Katastrophenschutz, wie das Sozialjahr."

Wehrpflicht: "Die Wehrpflicht hat sich über Jahre und Jahrzehnte verändert. Heute werden deutlich weniger Menschen einberufen und verbleiben auch nicht im Heer."

"Ich übe keinen Einfluss darauf aus, welche Abgeordnete mich im Ausschuss sehen wollen oder nicht."

U-Ausschuss: "Wenn die Abgeordneten mich einladen, werde ich kommen und mich den Fragen stellen, so wie hier im Sommergespräch."

"Wir haben ein Transparenzgesetz geschaffen, um in Zukunft alles ordentlich zu regeln. Mit dem Mittel der Inserate wird versucht, etwas zu bewerben. Das machen alle Ministerien. Auch das Landwirtschafts- und Innenministerium."

Thema Inserate: "Ich habe es nicht nötig, zu etwas Stellung zu nehmen, wo es keine Anklage gibt. Zu inserieren und zu werben macht jede gute Firma."

"Jemand der lange in der Politik tätig ist, hat viele persönliche Freunde und Bekannte. Das ist nichts außergewöhnliches. Der Boulevard ist so stark, wie ihn die Leser machen. Das bestimme ja nicht ich, was die Leute lesen sollen."

Haben Sie eine Naheverhältnis zum Boulevard? "Sie brauchen viele Karteiblätter, wenn man sich ansieht, wer im ORF Ex-Mitarbeiter, verwandt oder zusammen ist. Verheiratet und bekannt sind die Menschen in vielen Lebensbereichen."

"Ich halte die Kronen Zeitung für ein starkes Medium, weil sie eine hohe Auflage hat. Ich beschimpfe keine Medien und ich bevorzuge auch keine."

Zilk stellte Faymann früh Dichand vor. Die Krone unterstützt Faymann seit jeher. "Ich wäre auch ohne die Kronen Zeitung Bundeskanzler geworden. Genauso, wie ich es auch ohne Auftritte im ORF geschafft hätte. Davon bin ich überzeugt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, trotz enger Verstrickungen zwischen Politik und Medien."

"Mein erster Job war Vorsitzender in der SJ".

"Zivildienst, Ferialjobs, sozialistische Jugend, war ihr Vorsitzender, Landtagsabgeordneter". Reaktion auf Vorwürfe, Faymann hätte Lücken im Lebenslauf nach seiner Matura. "Sehr viel JUgendarbeit, die ich keineswegs bereue. Man lernt persönlich viel, wenn man sich gesellschaftlich engagiert."

Wolf greift Faymann an, weil er in Lebensläufen Studium der Rechtswissenschaften angibt. Wählertäuschung? Vergleiche zu Graf. "Da besteht ein großer Unterschied", sagt Faymann.

"Ich gehöre nicht zu jenen, die sich mit Titel schmücken, ich habe einiges inskribiert, vieles nicht fertig gemacht. Das gebe ich ehrlich zu."

"Habe nachgedacht, was im Film stimmt und was nicht. Gratuliere, habe Bilder gesehen, die ich gar nicht kenne."

Faymann hat laut Lebenslauf Jus studiert, soll aber nie eine Prüfung absolviert haben.

Uiii, Werner Faymann war nach der Matura sogar Taxi-Fahrer. Und er hat sich gegen das AKW Zwentendorf gestellt und damit auch gegen den "Sonnenkönig" Bruno Kreisky.

Faymann startet mit 16 Jahren seine politische Karriere, wird früh von der SPÖ entdeckt und dient ihr bis heute.

Es läuft das Filmchen über Werner Faymann. Tenor: Kein Revolutionär, stets zu Kompromissen bereit. In Liesing war er schon Schulsprecher.

Werner Faymann war mit 25 das jüngste Mitglied des Wiener Gemeinderats.

"Wenn ich politisch nicht so engagiert wäre, wäre ich vielleicht zum ORF gegangen und würde heute statt Ihnen die Fragen stellen. Ich war aber früh sozial engagiert. Das hat mir immer schon Spaß gemacht."

"Ich bin zuständig für Entscheidungen. Das macht ein Regierungschef. Eine Schwäche unseres System ist es aber, Kompromisse zu suchen."

Laut Karmasin wird Strache mehr Durchsetzungskraft und Fähigkeit zugetraut als Faymann. Interessant.

"Man kann hart in der Sache argumentieren, ohne Berschimpfungen. Das sollte man sich zum Vorbild nehmen."

Faymann über das Imageproblem der Politik: "Das hat mehrere Gründe. Politik hat Verantwortung, ist rasch verantwortlich für alle Sorgen, die die Menschen haben. Zudem reden wir Politiker nicht immer nett miteinander, polemisch und untergriffig."

Werner Faymann ist im 23. Bezirk aufgewachsen, im Hotel Altmannsdorf ist auch die SP-Bildungsakademie untergebracht.

Armin Wolf ohne Krawatte, im Hintergrund zirpen die Grillen.

Eines können wir schon jetzt sagen: Werner Faymann hat graues Haar.

Mit der Bildungspolitik ist ein weiteres Thema dazu gekommen. Denn Tirols Landeshauptmann Günther Platter hat sich für das SP-Modell der Gesamtschule ausgesprochen - gegen die Linie seiner ÖVP.

Harte Bandagen oder Kuschelkurs? In Kürze werden wir es wissen.

Gleich gehts los. Die beiden Herren haben bereits Platz genommen.

Inseratenaffäre, Stronach-Überläufer, Euro-Krise, Wehrpflicht-Volksbefragung, Studiengebühren und Rücktritt im Falle einer Anklage in der Inseratenaffäre? Zu all diesen Fragen und Themen wird sich der Kanzler äußern müssen.

Spannung vor dem heutigen Finale der Sommergespräche. Will SP-Chef Faymann seinen Kanzlerbonus ausbauen, sind klare Ansagen fällig. Im Wiener Gartenhotel Altmannsdorf will ihn ORF-Star Armin Wolf endlich aus der Deckung locken – vor Hunderttausenden Zusehern. Heute.at tickert die zentralen Aussagen LIVE!

Ihre Meinung

User haben auch diese Artikel gelesen

  • Heute-App downloaden:
  • Heute App für iOS
  • Heute App für Android

Ihre Meinung

1 Kommentar
2004 Veteran (191)

Antworten Link Melden 0 am 11.09.2012 21:33

in österreich vom taxler zum bundeskanzler,wenn man in der richtigen partei ist, und die richtigen leute kennt.
das der herr, gegenüber dem gemeinen asvg´ler, bereits pensionsberchtigt ist, gibts auch nur in österreich

von wegen österreich : sind sie pensionist, länger als 3 monate im ausland ( nicht ewr ) oder sind sie in haft, so bekommen sie für diese zeit-raum keine pension !! zählt natürlich nur für asvg´ler.

22 sozialversicherungsträger ( paritätisch )

hier herrscht chaos, irrtum, mißbrauch vor, é-card und elga tun ihr übriges zu mobbing von minderheiten ( behinderte, arbeitslose, mindestrentner, groß familien, ausländer.....) werden via sozialversicherungssystem ausgegrenzt.

all das und noch viel mehr vergaß der orf wolf, den taxler zu hinter-fragen, jedoch könnten, sie, ich, wir ( das volk ) der pferde partei ( övp ) als auch der taxler partei ( spö ) den weg zum souverän auf-zeigen, in diesem sinne

gott schütze österreich-er-innen

Weitere Artikel aus Politik

Fotoshows aus Politik (10 Diaserien)