Veröffentlichung von OECD-Studie Politik

Schwächelnde Bildung trotz hoher Ausgaben

Schwächelnde Bildung trotz hoher Ausgaben

Schmied blickt auf eine gute Bildungs-Zukunft. (© APA)

Schmied blickt auf eine gute Bildungs-Zukunft.
Schmied blickt auf eine gute Bildungs-Zukunft.
Mit Spannung wurde die Veröffentlichung der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" erwartet, die einen internationalen Vergleich von Bildungsstandards aufzeigt. Unterrichtsministerin Schmied zieht nach Bekanntgabe des Ergebnisses eine positive Bilanz: "Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel".

+++ Heute nächste Ohrfeige für unsere Bildungspolitik? +++


Nun gelte es, hartnäckig und unbeirrbar weiterzuarbeiten und den etwa mit Bildungsstandards, der neuen Oberstufe und Matura sowie mehr Ganztagsangeboten eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen und sich "nicht beirren zu lassen von Zwischenrufen oberhalb und unterhalb der Gürtellinie", so Schmied weiter.

Die Studie zeige, dass die österreichische Bevölkerung insgesamt ein hohes Bildungsniveau aufweise, betonte Schmied. 82 Prozent hätten mindestens die Sekundarstufe II abgeschlossen, also zumindest Matura oder einen Lehrabschluss in der Tasche. Der OECD-Schnitt liege hier bei 74 Prozent. Absolut an der Spitze rangiere Österreich außerdem bei der Berufsorientierung des Bildungssystems.

Im Folgenden die Detailergebnisse für Österreich aus der Studie in Kurzform:

AKADEMIKERQUOTE: 2010 lag der Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 19 Prozent (OECD-Schnitt: 31 Prozent). Hinter Österreich liegen damit nur die Türkei (13 Prozent), Portugal, Italien (je 15), die Slowakei, Tschechien und Mexiko (je 17). Das Spitzenfeld wird von Kanada (51 Prozent) angeführt.

AUSGABEN PRO SCHÜLER/STUDENT: In Österreich betrugen diese 2009 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 12.285 US-Dollar (9.669 Euro) jährlich. Damit lagen sie über dem OECD-Schnitt von 9.252 Dollar.

BILDUNGSAUSGABEN: Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung sind im Langzeitvergleich gesunken, in den vergangenen Jahren aber wieder gestiegen. Wurden 1995 noch 6,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung aufgewendet, waren es 2000 und 2005 nur noch 5,5 Prozent. Seitdem steigen die Ausgaben wieder: 2009 waren es wieder 5,9 Prozent des BIP. Verantwortlich für den Rückgang war zunächst vor allem die Schule: Der Anteil für den gesamten Schulbereich sank zwischen 1995 und 2005 von 4,2 Prozent des BIP auf 3,7 Prozent - bis 2009 stieg er wieder auf 3,9 Prozent an. Im Hochschulsektor sanken die Aufwendungen für den Tertiärbereich zwischen 1995 und 2000 von 1,2 auf 1,1 Prozent und lagen 2009 mit 1,4 Prozent über dem Ausgangswert. (B.2.1) Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben ist seit 1995 in Österreich von 10,8 Prozent auf 11,4 Prozent leicht erhöht worden. Allerdings liegt Österreich nach wie vor unter dem OECD-Schnitt von 13 Prozent, auch der Anstieg seit 1995 (11,8 Prozent) fiel in der OECD höher aus.

BILDUNGSMOBILITÄT: Die Chancen auf einen Bildungsaufstieg sind in Österreich nur gering. Nur 26 Prozent aller 25- bis 34-jährigen Nichtstudierender erreicht einen höheren Bildungsstand als ihre Eltern - damit liegt Österreich in der OECD (Schnitt 37 Prozent) an siebentletzter Stelle. Den gleichen Bildungsstand wie die Eltern schaffen in Österreich übrigens 59 Prozent (OECD: 50 Prozent), abwärts geht es für 14 Prozent (OECD: 13 Prozent).

BILDUNGSSTAND: Der Anteil von Personen mit mindestens einem Abschluss der Sekundarstufe II (also mindestens Matura bzw. Lehrabschluss) an den 25- bis 64-Jährigen ist seit 1997 in Österreich von 74 Prozent (OECD: 64 Prozent) auf 82 Prozent im Jahr 2010 (OECD: 74 Prozent) gestiegen. Dieser Anstieg geht sowohl in Österreich als auch der OECD auf das Konto der Hochschulen: Während der Anteil der Absolventen der Sekundarstufe II stagniert, ist jener der Hochschulabsolventen in Österreich von elf (1997) auf 19 Prozent (2010) und in der OECD von 21 auf 30 Prozent gestiegen.

Lesen Sie auf Seite 2 weitere Punkte der OECD-Bildungsstudie...
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3 Kommentare
m_m_ Newcomer (5)

Antworten Link Melden 0 am 12.09.2012 14:28

- 2. Lehrer unterrichten kurz
Auch hier gibt es noch einen zweiten Datensatz zu den reinen Unterrichtszeiten: Wie viel Prozent der Lehrerarbeit ist reine Unterrichtszeit? Österreich findet sich hier durchwegs im letzten Viertel, je nach Schulstufe macht die Unterrichtszeit weniger als 50% bez. 40% der Gesamtarbeitszeit aus.

Die Studie selbst findet man unter http://www.oecd.org/edu/highereducationandadultlearning/eag2012.htm und kann sich dort selbst ein Bild darüber machen...

m_m_ Newcomer (5)

Antworten Link Melden 0 am 12.09.2012 14:27

- 1. Lehrer verdienen viel
Die Lehrerverdienste sind nicht *deutlich* über dem Schnitt, sondern sind lediglich 5% über dem Schnitt. Vergleicht man das Einstiegsgehalt etwa mit Deutschland (dass wir es nicht gleich mit den USA, Chile oder Mexiko vergleichen wollen liegt auf der Hand), so ist das Einstiegsgehalt in Deutschland um 50% höher als das in Österreich.
In der Studie gibt es auch noch ein zweites interessantes Diagramm zu diesem Aspekt: Wie viel verdienen Lehrer (im Falle von AT nach 15 Dienstjahren) im Vergleich zu anderen Berufen mit demselben Bildungslevel und derselben Berufserfahrung: Österreich bildet hier den 4. Schlussrang, Lehrer verdienen ca. 60% eines vergleichbaren Berufes. Es dürfte nun niemand wundern, dass die PISA-starken Länder zum Beispiel hier ziemlich genau auf 100% oder leicht mehr kommen.

m_m_ Newcomer (5)

Antworten Link Melden 0 am 12.09.2012 14:02

Zum Glück ist die online-Version des Artikels besser als die gedruckte Version - trotzdem sollte sich die Heute fragen was für ein Lehrerbild sie nun vermitteln will... Der Titel "Lehrer unterrichten kurz, verdienen dafür aber viel" zusammen mit dem Bild der lange Nase zeigenden Frau (Lehrerin?) passt natürlich sehr gut zur Lehrerserie, in der der Lehrberuf sehr rosa beschrieben wird.

Durch solche Berichte wird natürlich genau die falsche Zielgruppe auf den Lehrberuf aufmerksam.

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