Betrugsfall in Spanien

Eltern der kranken Nadia (11) legten alle rein

Fernando Blanco: Er betrog alle und ergaunerte mit der Krankheit seiner Tochter fast eine Million Euro.

Fernando Blanco: Er betrog alle und ergaunerte mit der Krankheit seiner Tochter fast eine Million Euro.

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Fernando Blanco: Er betrog alle und ergaunerte mit der Krankheit seiner Tochter fast eine Million Euro.

Fernando Blanco: Er betrog alle und ergaunerte mit der Krankheit seiner Tochter fast eine Million Euro.

Ein makaberer Betrugsfall erschüttert Spanien: Die Eltern eines kranken Mädchens aus Organyà, einem kleinen Pyrenäendorf nahe der französischen Grenze, sollen die Krankengeschichte ihrer Tochter völlig übertrieben und Spendengelder verprasst haben. Dabei soll es um insgesamt 918.000 Euro gehen.

Der Fall flog Anfang Dezember auf, nachdem die Eltern der Zeitung "El Mundo" ein Interview gegeben hatten. Darin erzählten Fernando Blanco (52) und Marga Garau, dass Nadia Nerea (11) an sogenannter Trichothiodystrophie leide, einer raren Stoffwechselkrankheit, die zu einer frühzeitigen Zellalterung führt. Nach Veröffentlichung des herzzerreißenden Interviews zeigten sich die Spanier solidarisch: Innerhalb weniger Tage kamen 150.000 Euro zusammen. 

Es war nicht das erste Mal, dass Blanco und Garau an das Mitgefühl ihrer Landsleute appellierten. Seit 2008 drückten die beiden regelmäßig auf die Tränendrüse.

Doch diesmal ging der Schuss nach hinten los. Im Interview erzählte Blanco, dass ein Spezialist namens Edward Brown im texanischen Houston sich bereiterklärt habe, Nadia zu kurieren. Auch in Afghanistan sei die Familie schon gewesen, um dort "unter Bombenbeschuss" nach einem Heiler zu suchen, der angeblich in einer Höhle lebt.

Das war zu viel des Guten -  misstrauische Blogger und Journalisten begannen zu recherchieren. Sie stellten fest, dass in den gesamten USA kein Spezialist namens Edward Brown zu finden war. In der Klinik in Houston wusste zudem niemand etwas von Nadias Fall.

Der Vater sah sich plötzlich in die Ecke getrieben und versuchte noch schnell seine Aussagen zu relativieren. Laut "El País"räumte Blanco ein, einiges an der Geschichte übertrieben zu haben. "Aber wir waren wirklich in Afghanistan und haben nach einem Arzt gesucht, auch wenn er nicht in einer Höhle lebt", sagte er. Er habe ein paar Dinge dramatisiert, "weil ich ohne meine Tochter nicht leben kann", so der Mann. "Viele Teile der Geschichte sind aber wahr."

Hier geht es zum Blog der Raben-Eltern mit dem perfiden Spendenaufruf!

Als dann auch noch bekannt wurde, dass der Umfang der Spenden viel grösser war, als bisher angenommen, nahm sich die Justiz des Falles an. Laut den katalonischen Ermittlern hatten die Eltern 600.000 Euro von den 918.000 erhaltenen Geldern bereits ausgegeben – der Großteil davon nicht für die Behandlung der Tochter, sondern für Luxusgüter.

Teure Uhren
Die Polizei fand in der Wohnung der Familie unter anderem 32 Uhren im Wert von 50.000 Euro und teure elektronische Geräte. Auch wurde offenbar die Miete mit Spendengeldern finanziert. Zudem hatte sich die Familie nach Angaben von "El Mundo" regelmäßig in Frankreich aufgehalten und dabei in Luxushotels gewohnt.

Haft
Die Eltern wurden vergangene Woche verhaftet. Marga Garau wurde vor einigen Tagen auf Kaution freigelassen. Am Freitag wurde beiden das Sorgerecht für die kranke Tochter entzogen.

Mittlerweile fragt sich ganz Spanien, wie es so weit kommen konnte. Denn Nadias Vater wurde bereits im Jahr 2000 zu mehr als vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil er Gelder der Firma, für die er damals arbeitete, veruntreut haben soll. Das aber schien die gesamte spanische Presse übersehen zu haben.

"El Mundo"-Redakteur Pedro Simón entschuldigte sich bei den Lesern für den misslungenen Artikel. Er habe "mehrere große Fehler" gemacht, diese hätten einem Profi, der seit 25 Jahren diesen Beruf ausübe, eigentlich nicht passieren dürfen.

"Wenn der ganze Betrug bestätigt werden sollte, dann wurde damit allen Eltern, die um das Leben ihrer von seltenen Krankheiten betroffenen Kinder kämpfen, schwerer Schaden zugefügt», sagte eine Frau, deren Tochter an einem schweren Gendefekt leidet, der Zeitung "ABC". Auch die medizinische Forschung, die so dringend nötig sei, werde die Folgen zu spüren bekommen, "denn auch sie finanziert sich zu einem großen Teil aus privaten Geldern".

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