Staats-Chefs unter Druck

Wirbel um "gefälschten" Trauermarsch in Paris

Die Staats-Chefs an der Spitze von Hunderttausenden Trauernden (links). In Wahrheit soll die Szene ganz anders ausgesehen haben (rechts)

Die Staats-Chefs an der Spitze von Hunderttausenden Trauernden (links). In Wahrheit soll die Szene ganz anders ausgesehen haben (rechts)

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Die Staats-Chefs an der Spitze von Hunderttausenden Trauernden (links). In Wahrheit soll die Szene ganz anders ausgesehen haben (rechts)

Die Staats-Chefs an der Spitze von Hunderttausenden Trauernden (links). In Wahrheit soll die Szene ganz anders ausgesehen haben (rechts)

In Paris gedachten am Sonntag  rund 1,5 Millionen Demonstranten der Opfer  der islamistischen Anschlagsserie. Staats- und Regierungschefs aus 50 Ländern liefen an der Spitze des "Republikanischen Marschs". "An der Spitze" steht nun jedoch in heftiger Kritik. Wie Bilder belegen sollen, täuschten die Staats-Chefs ihre Teilnahme vor und ließen sich in einer abgesperrten Seitenstraße so ablichten, dass sie nur zum Schein den Marsch anführten.

Die Fotos, die die Politiker geschlossen Arm in Arm an der Spitze der Kundgebung zeigen, enstanden in Wahrheit in einer Seitenstraße, die stark bewacht und abgesperrt war. Kontakt mit den Hunderttausenden Bürgern soll es nur geringfügig gegeben haben. Viele Staats-Chefs reisten bereits nach den Fotos ab, andere verließen nach wenigen Minuten auf der offiziellen Trauerkundgebung die Örtlichkeit, so "Le Monde".

Weltweite Kundgebungen nach Charlie-Hebdo-Massaker

France Attacks Rally
(v.l.n.r.), EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Israels Premier Benjamin Netanyahu, Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita, Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Präsident Donald Tusk, Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas, König Abdullah und Königin Rania von Jordanien

Nicht der einzige Kritikpunkt: Der rechtskonservative ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat am Rande des Solidaritätsmarsches in Paris für die Opfer der jüngsten Terroranschläge in Frankreich gegen Einwanderer gewettert. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu lud sich dagegen selbst ein und drängelte sich sich auf peinliche Weise in die erste Reihe. Am Foto, das er zuhause veröffentlichte, ließ er Palästinenserführer Mahmud Abbas wegschneiden, der ganz in seiner Nähe stand.

Die USA glänzten durch Abwesenheit. Und eine ultraorthodoxe Zeitung in Israel hat bei ihrer Berichterstattung die Gesichter von Frauen aus dem Gruppenbild der Kundgebung digital entfernt.
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